So, jetzt fühlen wir uns alle mal ein bisschen alt: es ist ganze 21 Jahre her, dass der Film „Titanic“ in die Kinos kam. Ich kann mich tatsächlich noch sehr gut daran erinnern, denn ich war zu dem Zeitpunkt… naja, sagen wir mal so: ich war alt genug, um alleine ins Kino zu gehen und mir den Film anzusehen Schon bevor der Film in die Kinos kam, übte die Titanic eine große Faszination auf mich aus. Bereits als Jugendlicher hatte ich mich mit dem Thema beschäftigt, weil ich ein großer Fan von geschichtsträchtigen Ereignissen war, die die Menschheit bewegten oder erschütterten. Sowas fand ich spannend (finde ich heute noch). Und daher weiß ich seit meiner Jugend eigentlich alles Wichtige über die Titanic oder vielmehr über ihren Untergang.

Und hey, es stand ja deshalb wohl vollkommen außer Frage, dass ich mir das Musical „Titanic“, das kürzlich in Köln lief und nun in Mannheim gezeigt wird, nicht entgehen lassen durfte. Und eines vorab: das Musical hat mit dem Kinofilm nichts zu tun (außer natürlich den geschichtlichen Hintergrund). Wer also ein live auf der Bühne geträllertes „My heart will go on“ erwartet, wird bitter enttäuscht den Saal verlassen. Wer aber hochwertiges Musical und einen tollen Cast erwartet, der wird einen ganz wunderbaren Abend haben. Das Musical wird in der aktuellen, englischsprachigen Originalproduktion gezeigt (mit deutschen Übertiteln).

 

Worum geht es? Was zeigt uns das Stück?

Ich bin nicht sicher, ob man diesen Absatz nicht einfach skippen kann 😀 Aber ich skizziere dennoch kurz die Rahmenhandlung des Stücks. Wir begleiten die Titanic auf ihrer Jungfernfahrt von Southampton nach New York, wo sie – bekanntermaßen – leider nie ankommen wird. Auf der Reise rammt die Titanic in der Nacht des 15. April 1912 aufgrund unglücklicher Umstände einen Eisberg und sinkt – entgegen des Werbeslogans und der Überzeugung der Konstrukteure und Eigner, die das Schiff als „unsinkbar“ in den Medien präsentierten. Rund 1.500 Menschen ließen bei dem Unglück Ihr Leben, nur knapp über 700 Menschen konnten sich in ein Rettungsboot flüchten und entkamen dem Tode.

Das Musical „Titanic“ zeigt uns an diesem Abend einen Abriss der Ereignisse und skizziert die Jungfernfahrt. Im ersten Akt lernen wir Schiff, Crew und Passagiere kennen: vom Captain, über den Funker bis hin zum Heizer, von den erste Klasse-Passagieren Mr. und Mrs. Straus bis „hinunter“ zur dritten Klasse, in der die rothaarige Kate ein Ticket für die Überfahrt hat: uns wird ein Querschnitt durch die gesamte Besatzung und die Passagiere präsentiert. Der zweite Akt zeigt uns sodann das Drama der Geschichte, denn während der erste Akt uns die Personalien noch persönlich und authentisch nahebrachte, bringt der zweite Akt sie quasi alle zur Strecke. Ein Ende ohne Überraschung, aber genau das macht den ersten Akt ja auch zu etwas Besonderem. Denn das Schicksal der meisten Charaktere ist uns bekannt.

Was mich besonders beeindruckt, ist die simpel gehaltene Kulisse. Alles findet im Rahmen eines zweistöckigen Decks statt. Oben eine bespielbare Rehling, die untere Etage funktioniert quasi als „Unter Deck“.  Während zu Beginn dort nur ein Stuhl und ein Tisch stehen, an dem Thomas Andrews über den Entwürfen der Titanic sitzt, verwandelt sich „Unter Deck“ durch den Wechsel von Tischen, Stühlen oder Requisiten mal zu den Heizräumen, mal zum Raum der Funker, mal zum Ballsaal.

© Scott Rylander

Der Cast

Ich bin großer Fan des aktuellen Casts. Sowohl Crew als auch Passagiere werden durchweg von großartigen Darstellern gespielt, bis in die kleinste Rolle. Wobei: wirklich kleine Rollen gibt es eigentlich nicht, denn jeder Charakter hat eine besondere Bedeutung in der Geschichte des Unglücks. Die Crew ist quasi detailgetreu gecastet worden – auch wenn der echte Thomas Andrews eigentlich Haare hatte Die Passagiere werden allesamt auf Ihre Art so liebevoll und authentisch dargestellt, dass man sich direkt mit ihnen verbunden fühlt und sich in ihre Träume und Sehnsüchte hineinversetzen kann. Das macht die ganze Sache natürlich noch dramatischer, weil man ja weiß, dass nicht alle das Unglück überleben werden. Auf jeden einzelnen Darsteller hier einzugehen, macht wenig Sinn, denn irgendwann würden mir die Superlative ausgehen und ich würde mich wiederholen. Ich kann wirklich nur sagen, dass der gesamte Cast absolut großartig ist!

© Scott Rylander

Die Musik

Das Stück entlässt mich ohne wirklich Ohrwurm. Kein „Defying Gravity“, kein „Phantom der Oper“, dessen Melodie man auf dem Weg zum Auto, zur Bahn oder noch tagelang später summt. Nein, der Effekt stellt sich erst später ein… Nachdem ich das Cast-Album nach der Show hörte (mit dem Broadway Cast), habe ich mir direkt zwei, drei Ohrwürmer eingefangen… Na toll… („And we go sailing, sailing, sailing…“)

An der Musik dürften sich die Geister scheiden. Während ich sie wirklich gut fand, kann ich mir gut vorstellen, dass der „Nur-Ab-und-Zu-Musical-Gänger“ damit nicht viel anfangen kann oder gar den Ohrwurm vermisst. Denn dieser Gast wird wohl in den wenigsten Fällen danach zu einem Cast-Album greifen… Letztlich ist die Musik aber von hoher Qualität und wirklich sehr schön und passend. Für mich fügt sie sich wunderbar in die damalige Zeit ein und erzeugt ein sehr stimmiges Bild.

Was oben bereits zum Cast gesagt wurde, gilt übrigens auch für die Band: absolut großartig!

 

Fazit

Das Musical hat mein Fieber irgendwie wieder entfacht. Nicht nur, dass ich den Broadway-Soundtrack momentan rauf und runter höre. Nein, ich habe mich tatsächlich nach der Show auch noch einmal wieder nach langer Zeit mit der Geschichte des Untergangs beschäftigt.

Ein absolut sehenswertes Stück und wer die Möglichkeit haben sollte, einen Abstecher nach Mannheim zu machen in dieser Woche, der sollte sich TITANIC nicht entgehen lassen.

Übrigens: wer die Inszenierung aus Hamburg erwartete, die vor etlichen Jahren lief, dem sei gesagt, dass diese beiden Inszenierungen nicht mehr viel miteinander zu tun haben…

© Scott Rylander

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