Was gibt es Schöneres für einen Theater-/Musical-Fan als der Moment, in dem die Show losgeht, oder? Ich finde das immer großartig. Die Türen des Saals werden von den Mitarbeitern geschlossen, ggf. werden noch Vorhänge davor zugezogen. Die Geräuschkulisse wird (toi toi toi) leiser und das Licht wird langsam gedämmt. Eine angenehm freundliche Stimme ertönt aus dem Lautsprechern, die uns alle (meist sehr charmant und witzig) darauf hinweist, dass das Fotografieren und Filmen während der Vorstellung nicht gestattet ist.

Und dann ertönen die ersten Töne des Stücks. Zeitgleich wird es komplett dunkel im Saal.
Komplett? Nein, nicht komplett. Denn einige Damen und Herren im Publikum sind zu diesem Zeitpunkt noch mit ihrem Handy beschäftigt und haben das Display offensichtlich auf die Helligkeitsstufe “Flutlicht” gestellt. Gut, die Stimme aus dem Off bat ja gerade erst – und vollkommen überraschend 😀 – darum, dass man das Handy doch bitte ausschalten möge. Es sei ihnen nachgesehen, dass sie das nicht so schnell hinbekommen, muss man doch im Menü 2x tippen und schon ist das Handy lautlos… Die Hoffnung keimt auf, dass das Handy nun also in Kürze wieder in der Tasche verschwindet…

Tut es aber nicht. Im Gegenteil. Nun wird noch schnell die Whatsapp-Nachricht zuende geschrieben, immerhin erwartet der Gesprächspartner sicher noch eine Antwort. Oder der Facebook-Status wird noch rasch aktualisiert. Schließlich will man all seinen Freunden zeigen, dass man gerade kulturell unterwegs und im Musical oder Theater ist. Dagegen spricht im Prinzip ja auch nichts. Das mache ich auch. Aber doch bitte VOR dem Beginn der Show. Dann, wenn man alle anderen Zuschauer gerade nicht mit dem grellen, in den Augen beißenden Licht seines Handydisplays erblinden lässt.

So ein Display ist nämlich gefühlt 1 Million mal heller, wenn der Rest des Raumes abgedunkelt ist. Und nochmal doppelt so hell, wenn man es aus dem Augenwinkel sieht. Ich war nie gut in Bio, aber eine Sache habe ich mir bis heute gemerkt. Licht, das man im Augenwinkel wahrnimmt, ist viel heller als wenn man es direkt ansieht (testet das mal bei dem Sternenhimmel). Das liegt an den Stäbchen und Zapfen im Auge (so heißen die Dinger, die das Licht wahrnehmen). Die sind außen empfindlicher. Achtet mal drauf. Ende der Bio-Stunde 😀
Wie dem auch sei und welche evolutionäre Entwicklung solche Unsitten nicht vorhersehen konnte: die ganze Sache stört. Ungemein. Denn es lenkt ab. Und man ärgert sich. Und zack, hat man – selbst das Handy vorbildlich in der Tasche verstaut – die ersten Sekunden oder gar Minuten des Stücks verpasst, weil man sich so arg auf diese #Theater-Unsitte konzentriert hat.

“Mach datt Ding aus!”

Bereits mehrfach habe ich es miterlebt, dass Zuschauer während der Show das Mobiltelefon zücken und whatsapp-Nachrichten schreiben, Facebook-Status-Aktualisierungen durchführen oder kurz was auf Instagram liken. Am meisten aber “mag” ich die Leute, die dann entgegen der ausdrücklichen Anweisung auch noch Fotos während einer Vorstellung machen. Ja, solche gibt es auch. Sie erfreuen sich dann sicherlich an den unscharfen und verwackelten (weil eben nur wenig Licht im Raum) Fotos, die so “rauschen” (das heißt, sie sind “körnig”), dass sie selbst auf dem kleinen Handydisplay unansehnlich sind. Und nie wieder angeguckt werden.

Und wie auch schon bei der Theater-Unsitte #1 ist dieses Verhalten ein Auswuchs fehlenden Respekts. Denn es gehört sich zum einen nicht, während sich andere Menschen gerade den Hintern aufreißen, um dem Publikum ein tolles Stück zu präsentieren, sich mit anderen Dingen zu beschäftigen. Klar, Notfälle oder dringende Nachrichten des Babysitters, der den Abend beispielsweise erst ermöglicht hat, sind etwas anderes. Da kann man kurz den Saal verlassen und den Notfall-Call entgegennehmen.
Aber muss ich denn während der Vorstellung wirklich Nachrichten schreiben? Muss ich denn wirklich während der Vorstellung all meinen Freunden durch ein Status-Update zeigen, wo ich gerade bin? Nein, das kann ich vorher oder nachher machen.

Wenn mich das Stück nicht interessiert, dann habe ich zwei Möglichkeiten: ich reiß mich verdammt nochmal zusammen und halte die 2 Stunden plus Pause durch oder aber ich verlasse – idealerweise dann in der Pause – das Stück und gehe nach Hause. Wählt man die erste Option, hat man irgendwie noch was von seinem Geld, das man für die Eintrittskarte aufgebracht hat. Geht man in der Pause, hat man den gleichen Effekt, wie wenn man das Handy während der Vorstellung nutzt: man bekommt nichts mit. Aber wenn man sich entscheidet, zu gehen, dann stört man wenigstens nicht die anderen Besucher. Mit dem Handy schon. Und deshalb an dieser Stelle abschließend der Aufruf: legt das Handy weg und genießt die Show 😉 Ihr habt genug Geld dafür gezahlt – und die anderen im Saal auch 😉

Wie steht Ihr dazu?

Habt Ihr schonmal einen penetranten Handy-Nutzer im Musical oder Theater in Eurer Nähe gehabt?
Was tut Ihr dann? Maßregelt ihr ihn? Oder seht Ihr darüber hinweg?

 

Hier gelangt Ihr übrigens zu den bisher geposteten Beiträgen über Theater-Unsitten:

Theater Unsitte #1: Ich muss unbedingt der erste im Parkhaus sein

Theater-Unsitte #2: Ich benehme mich wie ein Wilder an der Stagedoor

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2 Responses

  1. Nicole Haarhoff

    Uah, ätzende Angwohnheit!! Aber man erlebt es leider immer und immer wieder! Am schlimmsten war es für mich einmal in einem Jugendtheater-Stück. Das Grips Theater ist sicherlich eines der bekanntesten Theater von Berlin, mit grandiosen, spannenden Stücken für Kinder und Jugendliche. Für Erwachsene ist das natürlich nicht immer unbedingt etwas. Und ein Mann im mittleren Alter, der neben mir saß, zeigte das auch ziemlich deutlich. Er gähnte, er hampelte und irgendwann nahm er sein Handy hervor. Und begann zu daddeln. Er versuchte nicht einmal, es ein wenig zu verbergen. Ich war irgendwann so irritiert und wütend, ich hätte ihn mit seinem Handy verprügeln können! Die Schauspieler vorne hatten sowas nicht verdient! Und ich auch nicht, genauso wenig die anderen Zuschauer. Wenn man es soooo blöd findet, warum kann man dann nicht allen Beteiligten einen Gefallen tun und einfach gehen?

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    • Daniel

      Sehe ich ganz genauso, Nicole!!!
      Sowas ist einfach total rücksichtslos und egoistisch.
      Dann lieber den Saal verlassen und die anderen Besucher das Stück genießen lassen!!!

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