Die Stagedoor (in der “Fachsprache” kurz SD genannt), ist der Dreh- und Angelpunkt vieler Fans nach der Show. Denn die Stagedoor ist der Ort, an dem es nach der Vorstellung noch einmal spannend wird. Als meist einziger Ausgang aus dem Theater für Cast und Crew bietet sich den Fans hier oftmals die Möglichkeit, ihre Stars live zu sehen, ein paar Worte zu wechseln und ein Autogramm und Foto zu erhaschen.

Dabei zeigen sich jedoch mitunter dramatische Szenen an eben solchen Stagedoors, die einen auch schon ein wenig schaudern lassen. Oftmals ist es so, dass sich eine – manchmal überschaubare, manchmal furchteinflößend große – Menschentraube vor der Stagedoor bildet, sobald die Vorstellung beendet ist. Alles legitim, denn als Fan möchte man seinen Idolen ja auch nahe sein und ihnen auch mal direkt nach der Show sagen und zeigen, wie toll man sie findet und vielleicht auch ein Autogramm bekommen.

Ich selbst hatte bei meinem Besuch des Aladdin-Musicals am Broadway in New York hatte ich auch das Glück, an der Stage Door die 3 Hauptdarsteller zu treffen und mir die ersehnten Autogramme zu ergattern. Da wir damals in einem Hotel wohnten, das direkt gegenüber der Stagedoor lag, konnte ich auch oft abends noch das Stagedoor-Treiben beobachten (und übrigens auch in die Fenster des Backstage-Bereichs des Theaters schauen, was durchaus interessant war). Alles lief gesittet ab. Die Security bereitete kurz vor der Show eine Absperrung vor, hinter der die Darsteller sich aufhalten, um kurz mit den Fans zu plaudern und Fotos zu machen. Die Fans – allesamt gesittet wartend – waren jeden Abend wirklich sehr höflich und zurückhaltend.

Das ist also der Idealfall. Klar, auch am Broadway oder im Westend ist das nicht der Regelfall. Ich sag ja auch, es ist der IDEALfall 😉

Fan oder Hysteriker?

Leider las man in Facebook-Gruppen in letzter Zeit vermehrt, dass es auch anders zugehen kann.
Natürlich möchte jeder, der teilweise eine oder zwei Stunden an der Stagedoor wartet, auch für seine Geduld belohnt werden und sich seine Trophäe in Form eines Autogramms oder eines Fotos mit seinem Star abholen. Das ist ganz normal.

Mitunter stellt es sich aber so dar, dass aus einem “normalen Fandasein” zeitweise eine rücksichtslose Hysterie wird. Ohne auf andere Fans, insbesondere Kinder, zu achten, wird gedrängelt, geschubst und geschrien, sobald einer der Solisten durch die Tür schreitet.

Was ich dann zusätzlich noch einen Nummer peinlicher und vor allem trauriger finde: das Ensemble wird nicht ansatzweise beachtet. Klar, manchmal erkennt man sie nicht. Aber hey, sie sind meist alle im Programm abgedruckt und wenn man die 1-2 Stunden, die man an der Stagedoor ohnehin wartet, mal sinnvoll nutzen möchte, kann man sich halt auch mit den Darstellern, die nicht die Hauptrollen spielen, beschäftigen. Denn diese freuen sich doch auch, wenn Sie aus der Türe kommen und nach einem Autogramm gefragt werden, als wenn sie heraustreten, alle Augen erwartungsvoll auf sie gerichtet sind, dann aber nahezu alle Fans enttäuscht den Blick abwenden. Ist ja nunmal nicht Herr Klaws. Oder Frau Douwes. Ist ja nur irgendjemand anders.
Auch kein professionelles Fan-Dasein.

Ellbogen-Mentalität an der Stagedoor

Ich selbst gehe in Deutschland nicht an die Stagedoor. Ich muss ehrlich sagen, dass mir das wirklich zu stressig ist aufgrund der hysterischen Ausraster mancher Fans. Da werden 43 Selfies mit dem Darsteller gemacht, man lässt sich 12 Poster, Fotos, Programmhefte unterzeichnen – bitte auch noch für die Freundin – und lässt keinen Raum für andere Fans. Wer an der Stagedoor etwas erreichen will, muss Ellbogen haben, der muss austeilen können. Und das ist schade, denn die Stagedoor ist doch in der Regel der Ort, an dem man seinem Idol auch mal für den wunderbaren Abend danken kann. Stattdessen schmeißt man sich in einer Menschenmasse auf den oder die Darsteller, belagert sie, bis sie keine Luft mehr bekommen. Hat man dann seine begehrten Autogramme und Fotos, ist dies auch für viele noch immer kein Grund, von den Dartellern abzulassen. Nein, erst wenn sie wirklich wieder in der Stagedoor verschwunden sind, beruhigt sich der “hysterische Wegelagerer” (wie ich es so schön in einer Facebook-Diskussion hierzu las) und fängt an, darüber nachzudenken, den Ort des Geschehens zu verlassen.

Dabei sollte man bei alledem ganz besonders nicht vergessen: die Darsteller haben einen ganzen Tag von Proben, Fitting, Maske, Show, vielleicht auch Interview-Terminen hinter sich. Und sie sind meist einfach müde. 2 Stunden auf der Bühne zu stehen, hochkonzentriert, zu tanzen, zu singen… das ist Arbeit. Und vielleicht (eigentlich ganz sicher) wollen die Darsteller um 23 Uhr auch mal gerne nach Hause. Ich selbst hätte nach einem 8-10-Stunden-Tag auf der Arbeit keine Kraft mehr, noch 1-2 Stunden Geschrei, Geschubse, Gedränge zu ertragen. Natürlich haben die Darsteller ein Leben gewählt, in dem man auch für seine Fans da sein muss. Das machen sie ja auch gerne und oft (eigentlich immer). Man sollte als Fan dann aber auch darauf achten, dass man hier den nötigen Respekt und vor allem Benehmen zeigt, das die Darsteller und die anderen Fans an der Stagedoor nicht unbedingt in Panik versetzt. Denn dann macht es die Sache für alle Beteiligten um Einiges einfacher. Und vor allem macht es dann auch Spaß!

Wie ist Deine Meinung?

Was glaubst Du? Ist das Verhalten an der Stagedoor in den letzten Jahren schlimmer geworden? War es schon immer so? Stört es Dich überhaupt oder bist Du der Meinung, das muss so sein? 🙂 Lass mir gerne Deine Meinung da. Ich bin gespannt!

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6 Responses

  1. Nicole Haarhoff

    Hallo, also, ich bin, glaube ich, eine ganz ungewöhnliche Showgängerin – mich interessiert die Stagedoor gar nicht. Ich bin kein Autogrammjäger und mache eigentlich nie Selfies, ob mit Star daneben oder ohne. Dieses Gekreische und Hysterische hat mich schon bei NKOTB verwundert (lang, lang ist es her) und auch die erwachsenere Version, bei Show und Musical ist mir fremd. Aber ich beobachte, aus Event/ Show/Theaterinteresse die momentanen Diskussionen und finde die schon bizarr. Wie diese Mutter aus den USA, die einen Musicalstar öffentlich als ******* bezeichnete, weil er grundsätzlich nicht an der Stagedoor erscheint. Ich glaube, gerade in den USA glauben die Menschen immer, ein Star (egal ob Film, Social Media, Sänger oder sonstwas) würde jedes Recht auf seine Privatsphäre abgeben. Und dem ist nicht so. Auch ein Star ist immernoch ein Mensch, hat eine Familie, ein Privatleben, ist erschöpft, ist vielleicht mal nicht gut drauf oder was auch immer. Und das “Recht” auf die Stagedoor hat man als Fan nun mal nicht. Es ist ein Privileg und man sollte sich freuen und dankbar sein, wenn die Leute nach einem harten Arbeitstag noch vorbeischauen, aber man sollte nicht immer davon ausgehen.

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    • Daniel

      Hey Nicole,

      Du hast wirklich Recht!
      Man sollte schon Rücksicht nehmen und sich einfach freuen, dass man sein Idol sehen kann und vielleicht auch ein, zwei Worte mit ihm/ihr wechseln kann.
      Es nimmt mitunter wirklich eigenwillige Formen an. Ich selbst würde wahrscheinlich tierische Angst bekommen, wenn ich aus so einer Tür rauskäme und alles wäre voller Menschen 😀

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  2. Monika

    Hallo!

    Ich gehe nach einer Show gerne an die SD. Allerdings gehört es zum guten Benehmen zu erkennen, ob ein Darsteller in Plauderlaune ist oder nicht. Wenn nicht gibt es halt nur ein “Tolle Show! Schönen Abend noch!” Ernn doch freue ich mich über ein Autogramm oder auch ein Foto. Und dann ist auch gut!
    So hat jeder die Chance ein Foto oder Autogramm zu bekommen.

    Lg Moni

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    • Daniel

      Hey Moni.

      Finde ich gut, wie Du das machst! Ich denke auch, dass man einfach erkennt, wann der Darsteller Lust hat, lange an der SD zu sein oder nicht. Darauf sollte man auch Rücksicht nehmen!
      LG
      Daniel

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  3. Lisa

    Habe ich leider auch schon allzu oft miterlebt 🙁 Wirklich gruselig, was da manchmal so abgeht und stressig für Fans und Darsteller. Ich selbst gehe aus diesem Grund mittlerweile kaum noch an SDs. Nur wenn Bekannte von mir in einer Show mitgespielt haben oder ich einen Darsteller besonders gut fand und ihm/ihr gern für die tolle Show danken möchte. Dann stelle ich mich meist etwas abseits hin und lasse erstmal alle anderen Fans ihre Fotos etc. holen. Dann gibt’s ein freundliches “Hallo, das war eine tolle Show, vielen Dank” und evtl. noch ein paar Worte und dann ist auch gut. Die Darsteller wollen schließlich auch mal Feierabend haben. 🙂

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    • Daniel

      Ja, so ist es doch ideal. Ich verstehe schon, dass Zuschauer ein Autogramm haben wollen. Aber diese “Belagerung” ist teilweise echt furchteinflößend, das stimmt…

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