Ich weiß noch, dass ich als Kind mal in Haus meiner Tante ein Schattentheater aufgeführt habe.
Wir hatten irgendwie ein weißes Bettlaken gespannt und es von hinten beleuchtet. Und dann ging es los: ausgeschnittene Figuren, Cocktail-Palmen-Sticks, die echte Palmen darstellen sollten und Häuser aus Pappe… Wir hatten eine richtige Szenerie kreiert. Ein bisschen fühlte ich mich am vergangenen Mittwoch wieder in dies Situation zurückversetzt als ich mir in der Kölner Philharmonie SHADOWLAND 2 ansehen konnte. Allerdings war das dann doch ein wenig professioneller und ausgeklügelter als das, was ich als Kind auf die Beine gestellt hatte 😀

Was ist Shadowland?

Shadowland ist eine Inszenierung aus Licht und Schatten, Tanz und Schauspiel. Bereits 2011 gastierte die amerikanische, 8-köpfige Tanzgruppe “Pilobolus”, gegründet von Robby Barnett, mit ihrer Show SHADOWLAND in Deutschland (damals im Musical Dome in Köln). Mit aufwändigen Choreographien werden hinter Schattenwänden Bilder kreiert, die – musikalisch untermalt – eine ganze eigene Atmosphäre kreieren und eine Geschichte erzählen. Dabei bestehen die Bilder teilweise aus vorgefertigten “Kulissen”, größtenteils aber aus den Körpern der Darsteller. So formen sie – als sei es das Normalste auf der Welt – berühmte Gebäude, Landschaften oder Tiere. Alles nur mit ihrem Körper.

© Beowulf Sheehan

© Beowulf Sheehan

Aufgrund des großen, weltweiten Erfolgs der Show entschloss sich die Gruppe, einen zweiten Teil zu konzipieren. Wie auch schon bei SHADOWLAND 1 bildete Robby Barnett gemeinsam mit Itamar Kubovy, Renée Jaworski, Matt Kent und SpongeBob-Autor Steven Banks, der für die Handlung zuständig war, das Kreativteam. Die Musik steuerte Singer-/Songwriter David Poe bei.

Herausgekommen ist eine phantasievolle, kreative Story, die den Darstellern einiges abverlangt.

“SHADOWLAND 2 – DAS NEUE ABENTEUER” – WORUM GEHT ES?

Wir befinden uns in einer dunklen Zukunft. Shadowland 2 zeigt eine Dystopie. Die Szenerie beginnt in einer dunklen Fabrik, in der Arbeiter am Fließband unter der Beobachtung eines Aufsehers Kartons stapeln. Ein Arbeiter merkt jedoch, dass einer der Kartons anders ist – und entdeckt darin einen magischen Straußenvogel. Das magische Tier scheint von seinen Artgenossen getrennt worden zu sein und bittet den Arbeiter, ihm zu helfen, nach Hause zu gelangen. Gemeinsam mit seiner Freundin entschließt sich der Arbeiter für die Flucht mit dem Straußenvogel. Und so versuchen die Drei, der Fabrik, dem Aufseher und der Dystopie zu entkommen. Mittels Raketen werden fremde Planeten besucht, das All durchquert. Abenteuer werden überstanden und Gefahren durchlebt – alles, um das Straußenwesen zu seiner Familie zurückzubringen und mit seinen Artgenossen vereinen zu können.

Tanzkunst mal ganz anders.

Die Darsteller von SHADOWLAND 2 leisten hier wirklich Großartiges.

Während bei SHADOWLAND 1 zumeist nur eine große Leinwand genutzt wurde, sind es nun mehrere Leinwände, hinter denen die Darsteller agieren, teilweise sogar gleichzeitig. Clever ausgeklügelte Choreographien, die sowohl vor als auch hinter den Leinwänden stattfinden, ließen mich wirklich in eine andere Welt eintauchen. Gesprochen wird nicht. Die gesamte Story wird mit Schatten, Tanz und Lauten kommuniziert.

Die Szenerien sind unfassbar schön gestaltet. Wechselnde Farben des Lichts, die Nutzung der unterschiedlichen Screens und die unglaubliche Beweglichkeit der Darsteller formen hier wirklich schöne Bilder und zeigen eine ganz andere Welt auf. Dabei fragt man sich eigentlich bei jedem Bild “wie kommt man auf sowas” und wenn man die Choreographie intensiver ansieht, kann man sich nicht vorstellen, dass es Menschen gibt, die so etwas konzipieren können 😀 Es sind nicht nur die Schatten, die auf die Leinwand gebracht wurden, nein, auch vor der Leinwand wird Großes geleistet. Ein bisschen schlecht geht es mir jedoch, als ich die Darsteller das erste Mal so leicht bekleidet auf der Bühne tanzen sehe, dass man jeden Muskel, jede Sehne sieht und denkt “Ui, die Brezel im Foyer hätte ich mir jetzt auch verkneifen können!” 😀

© Beowulf Sheehan

Die erschaffenen Bilder, Schatten oder Nicht-Schatten, wechseln sich regelmäßig ab, werden geschickt kombiniert und zeigen mir eine Welt, die ich so nicht kenne: eine düstere, immer gleiche Zukunft, die für zwei Menschen dank eines kleinen, fantastischen Wesens zu einem großartigen Abenteuer werden kann. Die Entwicklung zieht mich wirklich in den Bann und ich merke, wie ich zwischenzeitlich mit dem Wesen mitfiebere, mich freue, wenn es schöne Dinge erlebt. Es braucht keine Worte, um Emotionen zu transportieren. Längst ist Tanz zu einem Kommunikationsmittel geworden, das Gefühle auf eine andere Art rüberbringt. Und das schafft die Crew hier auf wunderbare Art und Weise – selbst, wenn man nur den Schatten der Darsteller sieht. Und das ist die wahre Kunst! Ich habe mit SHADOWLAND 2 eine unglaublich gute Unterhaltung erfahren! Danke an die gesamte Crew für dieses Erlebnis! Ich bin von der Show wirklich angetan und hätte nie gedacht, dass solch eine emotionale Geschichte mit Schatten transportiert werden kann. Dabei wirken Musik und Tanz wirklich wunderbar zusammen und die großartige Choreographie gewinnt durch die musikalische Inszenierung nochmal an Tiefe – und umgekehrt!

Die Show hat übrigens keine Pause. Das ist aber nicht weiter tragisch, denn die Laufzeit der Veranstaltung ist mit weniger als 1,5 Stunden angemessen und wirklich gut ohne Pause zu schauen. Wenn ich ehrlich bin, hätte eine Pause auch irgendwie gestört.

Und ohne zu viel zu verraten: für die Zuschauer gibt es am Ende der Show (nach dem Applaus) noch ein kleines Schmankerl, ganz speziell auf jeden Standort, an dem die Show gastiert, zugeschnitten und mit einen Bezug zu SHADOWLAND 1 (man muss SHADOWLAND 1 dafür jedoch nicht zwingend gesehen haben!).

Sitzplatz-Tipps

Wer sich SHADOWLAND 2 ansehen möchte, sollte beim Kauf der Karten darauf achten, so weit wie möglich in der Mitte zu sitzen. Denn dort wirkt die Show am besten.

© Kai Heimberg

Einige Figuren sind – so machte es den Eindruck – so konzipiert, dass sie erst durch die Frontalsicht darauf auch wirklich wirken. Wir saßen im linken Block (Block D) der Kölner Philharmonie (wer es genau wissen möchte: Block D, Reihe 10, Plätze 39 und 40),  quasi links außen. Zu empfehlen ist dieser Block nicht, denn einerseits wirken manche Figuren eben nicht so, wie wenn man frontal auf die Bühne sieht, andererseits kann man in 80% der Szenen hinter die Schattenwände schauen und sieht, wie die Darsteller die Bilder auf die Leinwand projizieren. Das ist durchaus interessant, lenkt aber irgendwann von der eigentlichen Geschichte stark ab, weil man dann eigentlich nur die ganze Zeit “backstage” schaut, ohne die Story wirklich zu verfolgen.

SHADOWLAND läuft noch bis zum 06.08.2017 im Rahmen des 30. Kölner Sommerfestivals in der Kölner Philharmonie.

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3 Responses

  1. Tanja

    Ich hab schon einen Teil via instagram-stories verfolgt – es ist wirklich mega was geleistet wird xo tanja

    Antworten
    • Daniel

      Ja, es ist wirklich der Wahnsinn!!!
      Nicht im Traum würde ich solche Bewegungen hinbekommen 😀 😀
      Hochachtung vor diesen Fähigkeiten!

      Antworten

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