Wenn Sound of Music Concerts ein Event hochzieht, dann kann man sich sicher sein, dass hier Qualität geboten wird. Regelmäßig werden hochkarätige Solisten ausgewählt, die die schönsten Songs des Musical-Genres präsentieren. Oder aber die schaurig-schönsten. Denn der “Mitternachtsball” am 31.10.2017 stand – wie sollte es anders sein? – ganz unter dem Motto “Halloween” und Grusel. Und so wurden in dem 6stündigen Konzertereignis die eher düsteren Musicals präsentiert. 6 Stunden? Jup, 6 Stunden!

Ich muss gestehen, dass ich anfangs befürchtete, mich würden 6 Stunden in einem Theatersitz restlos killen. Doch diese Angst war unbegründet! Absolut. Denn das gesamte Programm hat das Sitzfleisch beschwichtigt 😉

In gewohnter Sound of Music-Qualität wurde ein Mammutprogramm auf die Beine gestellt, das seinesgleichen sucht. Und ich suche Superlative um das Ganze zu beschreiben…

Die Highlights der Highlights präsentiert von den Highlights – so lässt es sich zusammenfassen, was uns auf der Bühne des Colosseum Essen geboten wurde.

Tolle Cast und tolles Programm

Die Cast-Liste liest sich wie das Who is Who des Musicals:
Jan Ammann, Mark Seibert, Sabrina Weckerlin, David Arnsperger, Andreas Bieber Thomas Borchert, Matthias Edenborn, Michaela Schober, Maya Hakvoort, Tobias Bieri, Mercedesz Csampai, Dennis Henschel, Christina Patten und Alexander Kerbst.

Letzterer eröffnete die Show pompös und effektvoll mit “Jeanny” aus “Falco meets Amadeus” und führte danach äußerst unterhaltsam als Moderator durch die Show. Natürlich hatte er auch noch weitere musikalische Auftritte, aber seine Hauptaufgabe an diesem Abend waren die Moderationen. Denn die einzelnen Parts in den jeweiligen Akten wollen auch entsprechend würdig anmoderiert werden. Und das hat Kerbst einfach großartig gemacht. Jeder Part wurde mit einer groben Info zum Stück und zur Hintergrundgeschichte des Stücks angekündigt – stets in entsprechender Verkleidung. So ließ Kerbst es sich auch nicht nehmen, den “Rocky Horror Show”-Part in Reizwäsche anzumoderieren. Kerbst hat es wirklich verstanden, das (Kenner-)Publikum mit dessen Vorwissen abzuholen, aber auch Neulinge (sofern es welche im Saal gab) auf angenehm unterhaltende Weise in die jeweiligen Stücke einzuführen.

 

Der erste Akt vom Mitternachtsball – neuer Stoff für Fans

Nach seinem grandiosen Opening-Act folgte der erste Akt, bestehend aus den Musicals “Dracula“, “Carrie” und “Phantom der Oper“.

“Dracula” war mir zwar bisher natürlich als Geschichte bekannt, das Musical selbst hatte ich noch nie gesehen. Umso gespannter war ich auf die Songs, die von Andreas Bieber, Christina Patten und Thomas Borchert präsentiert wurden. Thomas Borchert kannte ich bisher nur von CDs. Und ich durfte erfahren, dass er sich live genauso toll anhört wie auf den Aufnahmen. Andreas Bieber wußte auch in diesem düsteren Part zu überzeugen. Sonst bei mir eher mit “fröhlichen” Stücken assoziiert (immerhin war Bieber meine erste Musical-Erfahrung mit “Joseph” im Colosseum 1997 – lang lang ists her), war ich arg überrascht, dass er auch in dunklen Stücken seinen Platz finden und überzeugen kann. Christina Patten kannte ich zuvor nicht, war aber sofort begeistert von ihrer Stimme und der Präsenz auf der Bühne. Ein gelungener erster Block, dem ein weiterer, grandioser folgen sollte: “Carrie”.

Das Musical nach dem gleichnamigen Roman von Stephen King, lief bereits 1988 am Broadway – 14 Jahre nachdem es dem erfolgreichsten Horror-Autor den Durchbruch bescherte. Während es in den USA und UK sehr erfolgreich lief, ist es in Deutschland im Prinzip gänzlich unbekannt. Auch ich wusste nur, dass das Musical irgendwie existiert. Mehr nicht. Bis zu eben diesem Abend, an dem mir Maya Hakvoort und Sabrina Weckerlin zeigten, dass man das Buch (das ich damals als Teenager verschlungen habe) bzw. den Film auch auf der Musical-Bühne grandios darstellen kann. Weckerlin als telekinetisch-begabte (bzw. -geplagte) Carrie White war eine Granate. Ihre Stimme fesselt mich jedes Mal. Weckerlin scheint ein absolutes Naturtalent zu sein, denn ich habe ihr die eingeschüchterte, naive und introvertierte Carrie sofort abgenommen, so gut hat sie sie gespielt! Maya Hakvoort bot die strenge und fanatisch-religiöse Mutter da, die Carrie so gut sie kann von der Außenwelt, die voller Sünde sei, abzuschirmen versucht. Die beiden agieren so unglaublich gut zusammen, dass man denkt, sie hätten diese Rollen bereits unzählige Male gespielt. Dritter im Bunde, der mich absolut geflasht hat in seiner Rolle als Tommy Ross, dem Freund des quasi beliebtesten Girls der High-School, war Dennis Henschel. Auch er wirkte absolut routiniert in der Rolle. Und seitdem ich Henschel in dem Konzert von Jan Ammann im Ebertbad zum ersten Mal sehen und hören durfte, kann er eh singen, was er will – ich finde es immer mega! 🙂 Michaela Schober stand in diesem Akt als Lehrerin auf der Bühne und überzeugte primär durch ihr schauspielerisches Talent! Edenborn trat als Pfarrer in der Szene auf und konnte in dieser Rolle wirklich überzeugen!

Was mich aber am meisten beeindruckte (neben Weckerlin als Carrie) waren die Jungs und Mädels (ich hoffe, ich darf das so sagen :D) von der Folkwang-Uni in Essen. Zehn Studenten, von denen zwei das Studium bereits erfolgreich beendet haben, standen mit den “großen Stars” auf der Bühne. Und ich bin sicher, dass ich hier sagen darf: sie standen ihnen in nichts nach! Als Chor fungierten die Studenten der Folkwang-Uni in den meisten Blöcken zusätzlich zu den bekannten Stars. Bei Carrie aber konnten sie zeigen, was in ihnen steckt (es sollte nicht das letzte Mal an diesem Abend sein, dass sie dies zeigen konnten). Denn prädestiniert für eine Szene in der High-School brachten sie mich mit ihrem Gesang und der doch kompliziert anmutenden Choreographie vollkommen um den Verstand. Ich hatte das Gefühl, da stehen Darsteller auf der Bühne, die das schon 10 Jahre lang professionell machen. Unfassbar gut! Und deswegen MÜSSEN diese Damen und Herren auch hier Erwähnung finden, denn mich haben sie am 31.10. als absoluten Fan gewonnen. Eine Bereicherung für den Mitternachtsball waren:

Karen Müller (Abschluss 2017), Alexander Sasanowitsch (Abschluss 2016), Lina Gerlitz (die bei “Carrie” ganz großartig Sue Snell verkörperte), Sarah Wilken, Anneke Brunekreeft, Marvin Schütt, Charlotte Katzer, Tomas Stitilis, Florian Minnerop und Pascal Cremer (offenbar ein extremst begabter Tänzer, denn er war auch in diversen Tanzeinlagen mit den Profi-Tänzern zu sehen und von diesen nicht zu unterscheiden).

Dritter und letzter Block im ersten Akt war “Das Phantom der Oper”, der gleich von zwei Phantomen bespielt wurde: David Arnsperger und Mathias Edenborn; beide standen vor nicht allzu langer Zeit in dieser Rolle auf der Bühne und schmetterten uns die Songs in gewohnter Qualität. Ich war wirklich happy, mein Lieblingsphantom David Arnsperger (den ich erst kürzlich bei seiner Präsentation als Graf von Krolock für “Tanz der Vampire” in Köln bei einem Presse-Event kennenlernen durfte) wieder live auf der Bühne sehen zu können! Ein grandioser Akt mit einer phantastischen Mercedesz Csampai als Christine, die so zart und unschuldig war. Großartige Leistung! Ein wirklich würdiger Abschluss des ersten Akts.

 

2. Akt – Horrorladen, Horrorshow und 2, die einer sind

Der 2. Akt – ein Akt voll großartiger Unterhaltung. Und eigentlich mein Lieblingsakt des gesamten Abends? Warum? Ihr werdet verstehen, warum 😀

Der Akt startete mit dem Musical “Der kleine Horrorladen“, das ich zuvor noch nicht gesehen hatte. Im Großen und Ganzen geht es um eine fleischfressende Pflanze, die sich eines Menschen bedient, der ihr Futter besorgt. Ganz kurz gesagt halt.

Dennis Henschel machte diesen Akt zu einem absoluten Fest. Denn er verkörperte die Rolle des schüchternen Seymour so toll, dass ich mir keinen anderen in der Rolle vorstellen kann. Sein Gegenstück: Michaela Schober. Gewohnt grandios harmoniert sie mit Henschel, als seien die Beiden füreinander gemacht! Neben diesen beiden Hauptakteuren des “Horrorladen”-Aktes stand auch der “Folkwangler” Tomas Stitilis als sadistischer Zahnarzt auf der Bühne. Grandios, wie ich finde! Bereits 2014 kam er mit dem Musical in einer kleineren Inszenierung (damals als Seymour) in Berührung. Jetzt – 3 Jahre später – mimt er den Zahnarzt wirklich unfassbar gut! Chapeau! In “Füttere mich” hat Kerbst wieder einen seiner humorvollen Auftritte. Als fleischfressende Pflanze. Schön gelöst mit einer Handpuppe 😀

Zweiter Block im zweiten Akt: “Jekyll & Hyde“, eine meiner Lieblingsgeschichten. Gut gegen Böse. Was setzt sich durch? Thomas Borchert als Dr. Jekyll und David Arnsperger als Mr. Hyde – ein Traum-Duo. Die beiden haben es geschafft, den Wahnsinn der Figur – denn sie spielen die multiple Persönlichkeit eines einzigen Charakters – glaubhaft und wirklich perfekt rüberzubringen. Sabrina Weckerlin ist die Dritte im Bunde in diesem Akt und auch sie überzeugt absolut in ihrer Rolle!

Und nun der Grund, warum Akt 2 mein Favorit war: Es ist Andi Bieber in Strapsen! 😀 Während sich sicher einige Ladies (und auch Herren) im Saal gewünscht hätten, Herr Ammann oder Herr Seibert hätten nun ihren ersten großen Auftritt in einem Hauch von Nichts in dem Block “Rocky Horror Show“, der lag falsch. Denn in dieser Cast absolut ideal für die Rolle des Frank’N’Furter war definitiv Andreas Bieber, der die Rolle absolut perfekt verkörperte. Vor einigen Wochen habe ich die Rocky Horror Show in Köln gesehen und ich kann sagen: sollte Gary Tushaw, der diesen Part in der Tour spiel, einmal erkranken: ruft den Bieber an 😀

Marvin Schütt – Folkwangler – brillierte als richtig toller Riff Raff (diese Verrücktheit muss man erst einmal spielen können!). Mega. Ich bin wirklich begeistert. Christina Patten und Dennis Henschel sind Brad und Janet, das eher scheue Ehepaar, das nicht weiß, wie ihm geschieht. Und beide haben ihre Sache grandios gemacht! Und wer Dennis Henschel einmal leicht bekleidet sehen wollte, kam auch auf seine Kosten. Generell war dieser Show-Act – ganz im Stil des gezeigten Musicals – ein Fest nicht nur für die Ohren. Denn die Darsteller durften/konnten/mussten (sucht Euch ein Wort aus, liebe Darsteller) in gerade diesem Block auch vollen Körpereinsatz zeigen. Und Haut. Mehr Haut als alles andere. Rocky Horror Show halt. Aber allesamt haben eine großartige Figur gemacht. Und ich bin ohne Ende angetan von dem Spiel der Cast. Denn neben dem Gesang lebt die Rocky Horror Show auch von dem zügellosen, verrückten und extrovertierten Spiel der Darsteller. Allesamt brillierten in ihren Rollen – von dem Haupt-Cast bis hin zum Tänzer im Hintergrund. Perfekt. Florian Minnerop als Rocky – ideal! Richtig toll gemacht. Aber auch Michaela Schober und Anneke Brunekreeft waren absolute Highlights in diesem Akt. Auch Kerbst hatte wieder einen sehr humorvollen Auftritt und er schien sich in seiner luftigen Kleidung doch sehr wohl zu fühlen 😀 David Arnsperger – ganz der Rocker – gab noch seine Inszenierung des Eddie ab. Auch er: absolut perfekt.

 

Zwei starke Frauen und ein Blutsauger – der 3. Akt

Der 3. Akt sollte sich als jener erweisen, den man doch eher als 4. eingeordnet hätte. Denn – so sagte Kerbst in seiner Moderation – würden wir als Publikum die ersten 3 Akte überstehen, so wäre eine Einladung zum Mitternachtsball sicher. Klare Sache, dachten wir: Akt 4 wird “Tanz der Vampire”. Weit gefehlt (wobei so weit auch nicht), denn bereits in Akt 3 wurde das Vampir-Epos effektvoll verarbeitet.

Doch bevor es in den kalten Osten Europas ging, stand noch ein Abstecher ins schöne Österreich auf dem Programm: die Kaiserin Elisabeth lud zum Tanz! Mark Seibert als Tod war einfach großartig. Seine Stimme passt perfekt zu der Rolle und die Optik sowieso! Maya Hakvoort – natürlich! – verkörperte exzellent die von ihrem Leben so geplagte Kaiserin. Und das grandios! Als Kronprinz Rudolf stand Andreas Bieber auf der Bühne und ich kann sagen, dass diese Rolle wie für ihn geschneidert scheint. Seine Stimme ergänzte sich wirklich wunderbar mit der von Mark Seibert in “Die Schatten werden länger”. Tolles Musical. Tolle Darsteller. Toller Akt – ich brauch ne Mozartkugel, um mich zu beruhigen 😉

Aber auch ein Trip nach Manderley durfte natürlich nicht fehlen. Jan Ammann in einer seiner Paraderollen als Maxim de Winter aus “Rebecca“-  ein absoluter Genuss. Davon, dass er gesundheitlich angeschlagen war, merkte man nicht wirklich etwas. Ganz Profi eben. Eine 6 Stunden-Show muss man auch erstmal packen, wenn man krank ist. Auch hier: Chapeau. Toll auch, dass er “Kein Lächeln war je so kalt” präsentieren konnte, dass einige beim Kunze-Tribute-Konzert im Ebertbad schmerzlich vermissten. Es sei verziehen, denn in gewohnter Perfektion ließ Ammann uns an der verwirrten Psyche des Maxim de Winter teilhaben. Grandios. Genauso wie Maya Hakvoort, die in diesem Block die Rolle der Mrs. Danvers übernahm. Mir gefällt sie in dieser Rolle wirklich gut und sie schmettert “Rebecca” so kraftvoll von der Bühne – ich bin baff!

Dritter Block – da ist er: “Tanz der Vampire”. Und recht untypisch für einen solchen Block startet er – wie auch das Musical mit “He Ho”, unglaublich gut präsentiert von Tobias Bieri, der einen großartigen Alfred abgab! Das Highlight des Abends: 4 Grafen (eigentlich ja 5, zählt man David Arnsperger als neuen Grafen auch dazu) standen für den “Tanz der Vampire-Block zur Verfügung. Und alle 4 wurden effektvoll “genutzt”. Im Paar – Borchert und Edenborn einerseits, Seibert und Ammann andererseits – buhlten die Grafen um Sarah, traumhaft dargestellt von Mercedesz Csampai. Auch das war ein Fest für Augen und Ohren. Wer hat denn schon einmal 4 von Krolocks auf der Bühne gesehen? Kein Wunder, dass Sarah verwirrt ist! Gleich 4 auf einmal… 😀

Michaela Schober war einfach ein absoluter Knaller in “Tot zu sein ist komisch”, einem meiner Lieblingssongs aus dem Musical. Der Akt wurde fulminant beendet mit der “Unstillbaren Gier” – alle 4 Grafen in einem Song. Ich kann nicht mehr! Mega! Unglaublich gut! Und ein heftig toller Abschluss des 3. Aktes.

 

4. Akt – ganz im Zeichen der Gier und des Verlangens

Ja, des 3. Aktes. Was sollte jetzt noch kommen? Die Pause war geprägt von einer Brezel und viel Verwirrung. Wicked? Nee. Oder doch? Immerhin war mit Edenborn ein waschechter Fiyero im Hause. Weckerlin wurde schon als Elphaba gehandelt. Aber irgendwie war der Höhepunkt bereits im 3. Akt “verbraten” worden. Was denn nun?

Wir wurden eines Besseren belehrt. Denn der 4. Akt spinnt die Geschichte um den Vampir und sein Sternkind opulent fort. Auch wenn es ein wenig dauerte, bis ich es verstand. Nicht inhaltlich. Aber seine Stellung in dem Stück. Was war das, was wir gerade sahen? Es war die Story des Sternkindes. Des Sternkindes, das von dem Grafen beim Mitternachtsball in dessen Welt entführt wird und dort verbleibt.

Das Konzept der 4 Grafen-Darsteller wurde gekonnt fortgesetzt im 4. Akt. Jeder Graf konnte zeigen, was er drauf hat. Eines der Highlights war “Vater unser”, das aus der Feder von Andreas Luketa (dem Inhaber von Sound of Music Concerts und Organisator dieses großartigen Events) stammt. Ein krasser Widerspruch zu dem Grafen, wie wir ihn in “Tanz der Vampire” erleben können. Denn während er im Stück davon berichtet, dass Gott tot sei und nach ihm nicht mehr gesucht würde, betet er in dem Sequel zu eben diesem Gott. Ein Ausdruck dessen, welchen Kampf der Graf kämpft. Denn auch er sieht sich ja stets mit einer unstillbaren Gier konfrontiert. Sie verwirrt. Sie lässt uns Dinge tun, die wir später vielleicht mal bereuen werden. Sie lässt uns Entscheidungen treffen, die vielleicht nicht immer die richtigen sind.

Das Sternkind, auch in diesem Akt wunderbar gespielt von Mercedesz Csampai, hat sich mittlerweile in der Welt der Vampire eingefunden. Sie gehört zu ihnen, denn sie war als Sternkind auserwählt worden vom großen Vampirgrafen. Doch was ihr in der “neuen Welt” widerfahren sollte, das hatte ihr das Verlangen zuvor nicht gezeigt. Denn naiv und blauäugig gab sie ihr irdisches Leben auf, um fortan an der Seite des Grafen zu stehen. Doch dazu gehören immer 2. Und schmerzlich muss das Sternkind erfahren, dass sie wohl  nicht das erste und letzte war.

Bereits in “Tanz der Vampire” lässt uns Krolock in “Die unstillbare Gier” an seiner “Sternkind-Bucketlist” teilhaben: des Pastors Tochter, des Kaisers Page (im 4. Akt schön dargestellt von Andreas Bieber, der in dieser Rolle auch kurz im 3. Akt zu sehen ist, um die Verbindung herzustellen) und natürlich sie: das erste Sternkind, die im Sommer 1617 ( “(…) doch an diesem Tag geschah’s zum ersten Mal, sie starb in meinem Arm(…)” ). Grandios (mir fehlen echt die Worte) von Sabrina Weckerlin im 4. Akt verkörpert, sehen wir uns mit dem Frust dieses “ersten Sternkinds” konfrontiert, die seit ihrer Überquerung von der irdischen Welt in die der untoten Blutsauger regelmäßig mit ansehen und schmerzlich feststellen muss, dass sie zwar das erste, jedoch lange nicht das letzte Sternkind sein sollte. Diese Problematik wurde grandios in dem Song “Dann holt mich mein Herz wieder ein” verarbeitet. Hammer Text, hammer Solistin und hammer Melodie (eines meiner Lieblingslieder von Celine Dion diente als Grundlage).

Denn das Leben besteht aus immens vielen Entscheidungen, die wir treffen müssen. Viele davon sind die “falschen” Entscheidungen (wobei ich stets der Meinung bin, dass es so etwas nicht wirklich gibt und alles, was man tut, aus einem bestimmten Grund heraus geschieht). Und dieser innere Konflikt mit der Gier, den Entscheidungen, dem Verlangen – all dies wurde im 4. Akt so unglaublich gut in Szene gesetzt, dass man meinen könnte, hier nimmt ein neues Stück Form an. Im Zentrum steht also, wie auch schon im „Tanz der Vampire“ die Frage danach, welche Auswirkung die Gier auf den Menschen hat. Und diese Thematik wurde unfassbar toll und Musik und Text verpackt und mit grandiosen Darstellern auf die Bühne gebracht.

Beim Verlassen des Saals wünsche ich mir nichts sehnlicher, als eine CD dieses großartigen Abends! Ich giere danach! Aber ich habe ja an gerade eben diesem Abend deutlich vermittelt bekommen, was die Gier mit einem macht… 😉

Nichts geht ohne das Kreativteam!

Das Kreativteam darf bitte, bitte nicht unerwähnt bleiben. Denn sie haben allesamt Großartiges geleistet und das Unmögliche möglich gemacht: 6 Stunden Dauerprogramm ohne einen Funken Langeweile. Und irgendwie vergingen die 6 Stunden sehr viel schneller als gedacht.

Regie und Choreographie: Yara Hassan
Musical Director: Bernd Steixner
Band Arrangements: Mario Stork
Orchestral Arrangements: Ngarts

Kreiert wurde dieser wunderbare Abend von Andreas Luketa. Danke für ein grandioses Event!

Und die Band, ja, da gibts auch keine Superlative! Die Band war – wie man es von Sound of Music-Konzerten gewohnt ist – der absolute Wahnsinn!!!

Hier gehts zum Schlussapplaus

 

 

 

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