Ich bin ich einem Club. In einem Theaterclub. Seit einem Monat. Der Club besteht aus 3 Personen. Meinen zwei Freundinnen Melanie, Vanessa und mir. Unser erstes Clubdate bekam ich zu meinem letzten Geburtstag geschenkt: es war de Aufführung von “Der Besuch der alten Dame”, aber eben nicht in Form des Musicals, sondern halt als Theaterstück im Grillo-Theater in Essen. Bereits in der Pause des Stücks suchten wir nach dem nächsten “Clubdate” und entschieden uns für das Stück “Tschick”, das der Eine oder Andere entweder als Filmversion oder als Buch kennt. Nun, ich kenne weder die eine noch die andere Variante. Seit gestern Abend kenne ich aber das Theaterstück. Und ich kenne es nicht nur, ich liebe es!

“Tschick” läuft aktuell in der Casa (einem sehr kleinen Theater) des Schauspiel Essen. Vollkommen unvoreingenommen und ohne Erwartungen betrete ich gestern also die Casa und sehe mich in einem wirklich überschaubaren Raum wieder, der nahezu komplett in Schwarz gehalten ist. Keine Kulissen bis auf einen goldenen Sessel an dem noch das eine oder andere goldene Requisit angebracht ist. Über dem Sessel “schwebt” ein großer, weißer Ballon, durch ein weißes Seil verbunden mit eben diesem Sessel. Das wars. Keine weitere Kulisse. Zwei mit goldenen Rahmen versehene Türen gibt es noch. Aber irgendwo müssen die Darsteller ja auch herkommen.

Wir sitzen in der ersten Reihe. Eigentlich schon fast auf der Bühne. Die Bühne ist ebenerdig. Eine Abgrenzung zum Publikum gibt es nicht.
Um Punkt 19 Uhr wird das Licht gedimmt und Stimmen ertönen aus diversen Lautsprechern. Die beiden Hauptdarsteller betreten die Bühne: Alexey Ekimov (“Tschick”) und Tobis Roth (“Maik”) – beide ebenfalls in Schwarz gekleidet mit gold Abgesetzten “Highlights” in der Kleidung beginnen mit einem Schauspiel, das mich den Abend über wirklich vom Hocker hauen wird. Neben ihnen wird es in dem Stück nur noch eine einzige weitere Darstellerin geben: Silvia Weiskopf spielt Isa, die so ganz anders ist als Maik und Tschick. Und dann irgendwie doch nicht.

“Tschick” – Worum geht es?

Maik und Tschick besuchen beide die 8. Klasse. Sie sind Klassenkameraden. Doch nicht nur das haben sie gemeinsam. Nein, sie wurden auch beide nicht zu Tatjanas Geburtstag eingeladen. Dabei wurde doch jeder eingeladen. Doch wer will schon einen Langweiler (Maik) und einen “russischen Asi” (Tschick) zu seinem Geburtstag einladen? Tatjana nicht. Tief verbunden durch diese Schmäh, beschließen Maik und Tschick, einen Raodtrip zu machen. Einen Roadtrip, um Tschicks Verwandte in der “Wallachei” zu besuchen. Was sie auf diesem Trip erleben und wem sie begegnen werden, passt schon fast auf keine Kuhhaut – und schweißt die beiden mehr zusammen denn je.

Die Darsteller

Alexey Ekimov und Tobias Roth stehen nonstop auf der Bühne und erzählen – teils im Monolog, größtenteils im Dialog – die Geschichte ihres Roadtrips. Dabei nehmen sie während des Stücks auch die Rollen der Personen ein, denen sie auf dieser Reise begegnen. Und das machen sie alles absolut grandios. Selten habe ich so gute Schauspieler gesehen. Ich fühle mich direkt von Beginn an gefesselt und höre der spannenden Geschichte zu. Es ist, als sei ich unter Freunden, die mir von ihren Erlebnissen erzählen. Ekimov und Roth schaffen es dabei, durch ihr Spiel und ihren Umgang mit den doch sehr spärlich vorhandenen Requisiten, die Geschichte bildlich vor meinem Auge zu erzeugen. Sowohl die von ihnen hauptsächlich verkörperten Charaktere als auch die, die ihnen auf ihrem Trip begegnen, füllen sie mit so viel Authentizität und Leben, dass die Bilder, die ich Kopf habe, so lebendig werden, dass es wirklich keiner weiteren Darsteller und keiner Kulissen bedarf. Weniger ist mehr. Viel mehr in diesem Fall! Die beiden Darsteller sind schauspielerisch der absolute Wahnsinn. Jeder verkörpert seine Rolle absolut on point. Als wären ihnen diese Rollen auf den Leib geschrieben worden. Man nimmt ihnen jedes Wort ab. Das mag auch daran liegen, dass sie so gut spielen, dass man ab einem gewissen Punkt gar nicht mehr merkt, Schauspieler vor sich zu haben. Nichts wirkt gestellt, nichts auswendig gelernt.

Ebenso absolut überzeugend und großartig spielt Weiskopf, die zwar “nur” eine Rolle übernimmt und nicht wie Ekimov und Roth teilweise andere Charaktere darstellen muss; aber diese eine Rolle meistert sie mit einer Bravour, die mich vollkommen umhaut. Weiskopf ist die verrückte Isa. Mit all ihren Machen verkörpert sie die Rolle so liebevoll, dass man auch bei ihr sofort gefesselt wird vom Schauspiel.

Die Darsteller schaffen eine Tiefe der Charaktere und der Szenerie, die durch ein Bühnenbild oder zu viele Requisiten definitiv zerstört worden wäre. Sie ziehen in ihren Bann und man klebt an ihren Lippen. So lebhaft und authentisch, wie sie von dem Trip berichten, glaubt man, wirklich dabei gewesen zu sein und mit ihnen in Erinnerungen zu schwelgen. Die Bilder im Kopf, allein durch das grandiose Spiel der Darsteller erzeugt, sind einfach extrem intensiv. Und man fühlt sich in die Charakter ein.

Fazit

Ich komme langsam und mehr und mehr auch mit dem Sprechtheater in Berührung. Und das gefällt mir. Gerade wenn ich Stücke wie “Tschick” mit so unfassbar großartigen Darstellern sehe, dann erfreut dies mein Herz. Es braucht halt nicht immer viel, um den Zuschauer zu fesseln. Da reichen schon 3 fantastische Schauspieler und schon ist der Abend gerettet 😉

Schaut Euch das Stück an.
Tickets gibt es für 17 Euro auf der Website des Schauspiel Essen. Es lohnt sich absolut!

 

Fotocredit: 

alle Bilder: Birgit Hupfeld

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.