Es ist schon einige Jahre her, dass ich das Musical “Tanz der Vampire” sah. Damals lief es noch im Metronom Theater Oberhausen. Eingefleischte “Tanz der Vampire”-Fans springen jetzt wahrscheinlich vom Stuhl, schlagen die Hände über dem Kopf zusammen und schütteln eben diesen besagten Kopf. Kaum ein Musical hat eine so treue Fan-Gemeinde wie “Tanz der Vampire”. Richtige “Hardcore-Fans” schauen sich das Stück gleich mehrfach an einem Standort an. 30 Besuche des Mitternachtsballs sind da wirklich keine Seltenheit. Umso schöner ist es natürlich für uns NRW-ler, dass “Tanz der Vampire” nun nach langer Abstinenz wieder in der Nähe aufgeführt wird.
Seit Mitte Februar ist das Stück im Musical-Dome Köln zu sehen (läuft dort noch bis Ende September). Ich durfte bei der Premiere dabei sein.

Tanz der Vampire – muss man wirklich noch schreiben, worum es geht?

Ich denke mal, dass jeder Musical-Fan genau Bescheid weiß, worum es in dem Stück geht. Aber dennoch hier eine sehr kurze Skizze der Handlung.

Transsilvanien. Irgendwann im 19. Jahrhundert. Professor Abronsius und sein Assistent Alfred haben sich auf die Suche gemacht. Wonach? Nach Vampiren, die ihr Unwesen treiben sollen. In einem kleinen Dörfchen treffen sie auf eine sehr verschwiegene Dorfgemeinschaft. Und auf die schöne Sarah, die Alfred direkt den Kopf verdreht. Sarah, die auch Gefallen an dem jungen Assistenten findet, sieht sich jedoch eines Abends mit einer Begegnung der besonderen Art konfrontiert: niemand anderes als Graf von Krolock, seines Zeichens Vampir-“Boss”, lädt Sarah in sein Schloss ein. Zum Mitternachtsball. Sarah folgt der Einladung. Und auch Professor Abronsius und Alfred folgen ihr in das Schloss. Hätten sie gewusst, was sich dort verbirgt und welche Wendung die Geschichte nimmt, dann hätten sie es sich eventuell noch einmal anders überlegt…

Tanz der Vampire – Die Cast

Viele Größen haben in Deutschland und Wien bereits den Grafen von Krolock, die zentrale Figur des Stücks, gespielt. Keine andere Figur in der Musical-Welt zieht die Fans derart in ihren Bann. Zu keiner anderen Figur haben die Fans ein konkretes Bild vor Augen, einen “Lieblings-Grafen”. Die Fangemeinde ist da unerschütterlich. Und so war man auch bei der Vorstellung des neuen Grafen sehr gespannt, wie dieser bei den Fans ankommen würde. Denn für die Kölner Spielzeit (und einen kurzen Teil der Hamburger Spielzeit) wurde ein Darsteller in das Grafen-Kostüm gesteckt, der zuvor diese Rolle noch nicht übernommen hatte: David Arnsperger mimt seit einigen Wochen nun den Schlossherrn, der die junge Sarah in seinen Bann zieht. Und das macht er so unfassbar gut, dass er sich durch dieses Engagement direkt zu meinem “Lieblingsgrafen” katapultiert hat. David Arnsperger schafft es, der Rolle neuen Input zu geben. Er füllt sie mit seinem ganz eigenen Stil. Ich empfinde ihn als perfekten Grafen, der die verschiedenen Interpretationen dieser Figur miteinander perfekt vereint: das Klassische, das man von Darstellern wie Thomas Borchert oder Jan Ammann kennt, aber auch die modernen Aspekte eines Drew Sarich. Zusammen kombiniert mit einem ganz eigenen Stil ergibt dies für mich das perfekte Bild des Grafen von Krolock. David Arnsperger ist der ideale Kandidat für die Rolle. Sein Spiel, seine Stimme, seine Mimik – er hat mich absolut überzeugt. Mehr als einmal habe ich bei seinen Solo-Parts Gänsehaut bekommen. “Die unstillbare Gier” flasht mich in der Premiere total weg! Als hätte er nie etwas anderes gemacht als diesen Grafen zu spielen. Wer noch irgendwelche Zweifel haben sollte, dass David Arnsperger gut in die Rolle passt – dem sei der Besuch des Stücks wirklich empfohlen. David Arnsperger ist ein Graf der ersten Liga!

Für die Kölner Spielzeit wurde eine ganz neue Sarah gecastet: Maureen Mac Gillavry. Sie passt vom Typ her gut in die Rolle. Leider bin ich mit ihr nur bedingt “warmgeworden”. Sie hat eine schöne Stimme, keine Frage. Aber in manchen Passagen schreit sie mir zu sehr. Das habe ich persönlich als etwas unangenehm empfunden. Ihr Spiel ist aber – dafür, dass sie keine deutsche Darstellerin ist und die Sprache nicht wirklich spricht – wirklich gut! Das hat mich dann doch überrascht. Dennoch wäre es in einigen Songs ein bisschen besser, wenn sie etwas weniger laut singen würde.

Wer mir leider nicht so wirklich gefallen hat – Sorry, liebe Fan-Gemeinde -, ist Tom van der Ven als Alfred. Auch er passt von der Optik her wunderbar. Aber was mich nicht überzeugt hat, ist sein Schauspiel. Der Gesang ist wirklich gut, passt toll zur Rolle. Doch das Spiel wirkte leider so dermaßen auswendig gelernt und gestellt, dass ich mit ihm überhaupt nicht warm wurde. Hinzu kommt sein starker Akzent. Auch wenn dieser – wie ich hörte – schon etwas weniger geworden sein soll, wirkt die Rolle durch den Akzent in Verbindung mit dem wirklich nicht guten Schauspiel doch arg gestellt und ohne Leben. Gleiches gilt für die Songs, die er singt, die ich leider als emotionslos empfunden habe. Mich hat Tom überhaupt nicht berührt und als Alfred leider nicht abgeholt. Aber das ist ja Geschmackssache.

Wer mich wiederum begeistert hat, war Victor Petersen als Professor Abronsius. Ein großartiger Darsteller, der sowohl im Spiel als auch im Gesang absolut überzeugen konnte. Petersen ist der Garant für gute Laune in dem Stück. Sein komödiantisches Talent lebt er vollends aus. Es macht Spaß, ihm zuzusehen und zuzuhören.

Michael Anzalone verkörperte an diesem Abend den Wirt Chagal. Und auch er machte in der Rolle eine gute Figur. Absolut überzeugend mimte er den Wirt. Spiel und Gesang waren ideal für die Rolle. Seine Frau, Rebecca, wurde verkörpert von Rebecca Köstler. Und auch sie ist eine ideale Besetzung dieser Rolle. Sarah Jane Checchi hat mich als Magda zwar nicht zu 100% überzeugt (bei “Tot zu sein ist komisch” waren dann doch einige Passagen irgendwie schwer zu verstehen, weil sie nicht gegen die Musik ankam), aber es machte doch schon Spaß, ihr zuzusehen und zuzuhören. Christian Funk stand als Herbert – einer der interessantesten Charakter dieses Stücks – auf der Bühne. Tolles Spiel, toller Gesang. Nach meinem Empfinden hätte man durchaus noch ein bisschen mehr “weibliches” in sein Spiel packen können, aber Funk hat Spaß auf der Bühne. Das merkt man ihm an. Und dann hat auch das Publikum Spaß. Paolo Bianca als Koukol hat  mich absolut überzeugt. Auch wenn er nicht singt 😀 Sein Spiel ist wirklich richtig gut. Man nimmt ihm jede einzelne Bewegung, jeden Wortfetzen, jedes Grunzen ab. Absolut top.

Was in dem Stück wirklich großartig ist: die Choreographien. Dank großartiger Tänzer und Tanzsolisten funktionieren diese tadellos. Die Gesangssolisten tun ihr Übriges dazu, dass das Stück zu einem Erlebnis wird.

Ehre, wem Ehre gebührt. Deswegen hier auch in der Auflistung (Premierenbesetzung):

Tanzsolisten:
Andrea Luca Cotti, Astrid Gollob, Csaba Nagy

Gesangssolisten:
Jan Kriz, Sander van Wissen

Ensemble:
Jack Widdowson, Sonny Grieveson, Lorenzo Eccher, Veronika Enders, Lisa Kühn, Vicky Douglas, Nicole Ollio, Gonzalo Campos, Pascal Höwing, Pamina Lenn, Anja Wendzel, Alex Avenell, Janis van Dorsselaer.

Das Bühnenbild und Fazit

Was soll man über das Bühnenbild noch sagen? Es ist der Hammer. Für eine Tourproduktion ist es so grandios und man fragt sich wirklich “Wie haben die all diese Kulissen in den Musical-Dome reinbekommen? 😀

Die pompösen Kulissen des Schlosses sind dabei genauso atemberaubend wie die rustikale Gestaltung des Hotels von Chagal. Das Stage Design ist wirklich etwas, das das Ganze komplett abrundet.

Mein Fazit:
Auch diese Inszenierung des Musical-Klassikers “Tanz der Vampire” ist eine sehenswerte und gelungene Show! Die Fans werden es ohnehin in Scharen besuchen, die meisten wahrscheinlich sogar mehrfach. Für die bisher noch nicht “infizierten” gilt: Schaut es Euch an und habt einen tollen Abend!

 

3 Responses

  1. Hans-Georg

    Wir haven TdV kürzlich in Hamburg gesehen, auch nach vielen Jahren mal wieder. Dieses Musical gehört, wie viele andere auch, zu denen, ich man immer und immer wieder anschauen könnte. Aber die Preise … Wir haben den Anspruch, immer sehr gute Karten zu kaufen. Und wer kann sich das schon leisten, ein Stück mehrmals zu sehen. Man hat ja auch noch andere Interessen, wie z.B. Reisen.

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  2. Mya

    Hi,
    toller und sehr ausführlicher Bericht.
    Darf ich nur etwas anmerken 😉 Maureen Mac Gillavry ist schon seit August 2017 als Sarah dabei. Ich habe sie letztes Jahr einige Male in Hamburg gesehen.

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    • Daniel

      Hey Mya,

      vielen Dank für die Korrektur.
      Da hatte ich dann eine falsche Info im Kopf… 😀
      Sorry für den Fauxpas und nochmals vielen Dank, auch für das Lob zum Bericht!

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