Tina Turner ist wohl eine der bedeutendsten, bekanntesten und erfolgreichsten Sängerinnen unserer Zeit. Ihre Shows sind stets heißbegehrt und in Minuten ausverkauft. Leider hatte ich bislang noch nicht die Ehre die “Rockröhre” live erleben zu können – auf meiner Konzert-Bucket-List hat sie aber einen Platz in den oberen Rängen sicher! Was tun also, wenn der Star konzertmäßig nicht greifbar ist, man die Musik aber dennoch mal live hören möchte? Richtig! Man checkt mal die Tribute-Shows ab. An solchen Tribute-Shows scheiden sich die Geister. Die einen finden sie toll, die anderen können Sie per se nicht leiden. Ich stehe irgendwo dazwischen. Es gibt solche und solche dieser Show-Formate. Einige sind grandios (wie zB die Whitney-Houston-Show), für andere muss man sich in Grund und Boden schämen.

Die Tribute-Show “Simply the Best – Das Musical” gehört definitiv zu den Shows, die man der Kategorie “Grandios” zuordnen kann.

Dabei ist die Show kein Musical im eigentlichen Sinn (man sollte also vom Zusatz “Das Musical” kein Musical als solches erwarten). Es gibt bspw. kein wirkliches Bühnenbild, das wechselt (die Bühne ist wie bei einem Konzert gestaltet). Eigentlich ist die Show eine konzertante Aufführung, die durch einzelne, kleine schauspielerische Szenen ergänzt wird – sowohl durch Darsteller auf der Bühne als auch durch Einspieler (originale wie nachgestellte Einspieler) auf einem Screen). Dabei wird die Handlung bewußt auf wegweisende Szenen reduziert. Szenen, die ausschlaggebend dafür waren, wie das Leben der Tina Turner verlief und was dazu führte, dass sie heute dort ist, wo sie ist und das ist, was sie ist.

Die beiden Akte teilen sich dabei in die zwei Lebensabschnitte von Tina auf: im ersten Akt werden ihre Anfänge, die sie gemeinsam mit ihrem Mann Ike Turner erlebte, auf die Bühne gebracht. Dabei ist der erste Akt weniger schwungvoll als der zweite, was daran liegen mag, dass im ersten Akt nun einmal weniger die “Evergreens” von Tina Turner gespielt werden, sondern nun einmal die frühen Hits. Auch allesamt toll, aber die eigentlichen Highlights findet man in der zweiten Hälfte der Show. Denn diese setzt dort an, wo der erste Akt endet: bei der Trennung von Ike Turner. Auch hier merkt man, dass es sich bei der Show um kein Musical im eigentlichen Sinn handelt. Denn in einem Musical wäre dieser Split sicher etwas detaillierter und intensiver dargestellt worden. In einer Tribute-Show geht es aber primär um die Darbietung der Musik, weniger um die Präsentation der Geschichte. Deswegen wird zu Beginn des zweiten Aktes die Trennung und die damit verbundenen unschönen Dinge in einer kurzen Zusammenfassung erzählt. Was nun folgt, sind die Hits, die man kennt und die man alle mitsingen kann. “Goldeneye”, “Private Dancer” oder natürlich auch “Simply the best” – all diese Songs dürfen in der Show natürlich nicht fehlen.

Und während ein Hit den nächsten jagt, merkt man auch, wie sich die Stimmung im Publikum weiter löst. Mehr und mehr wippt das Publikum mit. Die Energie der Songs überträgt sich auf die Zuschauer, wie man es selten erlebt.

Die Cast leistet dabei wirklich Großartiges.
Dorothea “Coco” Fletcher als Tina Turner ist der absolute Wahnsinn. Mitunter hat man wirklich das Gefühl, die echte Tina Turner auf der Bühne zu sehen. Ihre Stimme ist der absolute Wahnsinn und sie bringt die Power und die Kraft aus Tinas Stücken so unglaublich gut und authentisch rüber, dass ich ihr noch tagelang zuhören könnte.

Koffi Missah ist quasi für den gesamten Schauspielpart auf der Bühne zuständig. Er stellt gleich mehrere Charaktere dar (wie beispielsweise Tinas Manager) und führt die Zuschauer durch das Programm und das Leben von Tina Turner. Und das macht er wirklich richtig gut! Nachdem ich Koffi vor 20 Jahren schon in “Joseph” im Colosseum sah, war es schön, ihn jetzt wieder in einer ganz anderen Rolle auf der Bühne des schönsten Musical-Theaters sehen zu können.

Vasti Jackson steht als Ike Turner auf der Bühne. Wahnsinn. Er kommt dem Charakter in seinem Spiel so nahe, dass man seine Arroganz und Selbstverliebtheit wirklich spüren kann. Und trotzdem ist man geflasht vom Können des Ike Turner bzw. des Vasti Jackson. Denn seine Gitarren-Soli sind der absolute Hammer!

Die Background-Sängerinnen – “The Ikettes” – werden gespielt und gesungen von Della Miles, Valerie Scott und Sharlie Pryce. Und sie stehen in ihrem Sound in der Stimme und ihrem Können Dorothea Fletcher in nichts nach. Die drei harmonieren unglaublich gut zusammen und auch mit “Tina”, dass man sich eine andere Konstellation nur schwer vorstellen kann.

Alana Everett und Meimonna Coffie sorgen für die tänzerischen Darbietungen auf der Bühne. Und obwohl es nur diese beiden Tänzerinnen gibt (abgesehen von “Tina”) ist man von der Choreo wirklich sofort angetan. Die beiden nehmen als Tänzerinnen in ihren Parts die Bühne wirklich top ein und zeigen, was sie können.

Nicht unerwähnt bleiben soll natürlich die Band, die – neben Vasti Jackson an der Gitarre – aus Doan Pham (Drums), Anthony Wright (Keyboard, Saxophon) und Andreas Walter (Bass) besteht. Und auch hier sitzen wahre Talente und Könner ihres Fachs. Insbesondere Vasti Jackson und Anthony Wright erhalten regelmäßig minutenlangen Applaus für ihre Gitarren- oder Saxophon-Einlagen. Unglaublich gute Musiker.

Fazit

Alles in allem ist die Show eine wirklich sehenswerte Tribute-Show.
Wer Tina Turner und ihre Hits mag, der sollte sich das hier auf keinen Fall entgehen lassen. Ich bin zwar kein “Fan” im eigentlich Sinn, finde Tina Turner und ihre Musik aber gut und bewundernswert. Und genau aus diesem Grund kam auch ich auf meine Kosten in dieser Show. Mehr als einmal hatte ich Gänsehaut, wenn die ersten Töne bestimmter Songs zu hören waren. Und das ist es, was eine gute Tribute-Show ausmacht. Dass man sich in die Musik hineinfühlt und wirklich das Gefühl hat, dass da vorne die “echte” Tina Turner steht.

 

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.