Eine Freundin von mir liegt mir seit Monaten in den Ohren mit der Bitte, dass wir uns gemeinsam bei einem Salsa-Kurs anmelden. Nun muss man wissen, dass ich nicht der geborene Tänzer bin. Ich bin da eher grobmotorisch veranlagt und die Tendenz geht mehr in Richtung “talentfrei”. Aber man kann ja alles lernen. Ob ich diesen Tanzkurs wirklich belege, habe ich noch nicht entschieden. Vielleicht würde TANGUERA – DAS TANGO-MUSICAL ja meine Begeisterung für lateinamerikanische Hüftbewegungen wecken, dachte ich mir.

Und so kam es, dass ich mir eben dieses Stück ansah. Was ich dann sah, hatte aber letztlich nicht viel mit einem Musical zu tun. Dennoch ist es, wenn man nicht mit falschen Vorstellungen in die Show geht, eine sehenswerte Aufführung – für Musicalfans ist es jedoch leider gar nichts.

 

TANGUERA – Worum geht es?

TANGUERA spielt im Buenos Aires des frühen 20. Jahrhunderts. Schauplatz ist das Hafenviertel La Boca. Das Stück beginnt mit der Ankunft der Immigrantin Giselle, die in Buenos Aires in unzähligen Bordellen arbeiten muss sie letztlich erfolgreiche Tänzerin im Cabaret ist. Natürlich darf auch eine Liebegeschichte nicht fehlen, denn kaum im Hafen von Buenos Aires angekommen, verguckt Giselle sich in den Hafenarbeiter Lorenzo. Es kommt, wie es kommen muss: ihre Liebe gerät in Kollision mit ihrem Leben als Prostituierte, als TANGUERA und endet in einem dramatischen Finale.

Foto: Susanne Brill

WARUM TANGUERA NUNMAL KEIN MUSICAL IST

Ich bin mit wenig Erwartungen in das Stück gegangen. Zuvor hatte ich mich überhaupt nicht über das Stück informiert. Solche Dinge finde ich auch spannend, denn oft ist man dann positiv überrascht von dem, was man sah. So ging es mir damals bei “Ich war noch niemals in New York” oder “Sister Act”.

Bei TANGUERA habe ich in dieser Hinsicht jedoch eine persönliche “Show-Niederlage” eingesteckt. Denn letztlich ist der Titel ein wenig verwirrend. TANGUERA – DAS TANGO-MUSICAL ist nun einmal kein Musical. Es ist eine Tanz-Show. Ok, es wird gesungen. 3 Lieder, eines davon wird 2x gesungen. Von einer alten Lady. Sie ist die einzige, die singt. Und das auch noch auf Spanisch. Ohne Übersetzung. Ich kann kein Spanisch mehr, obwohl ich es in der Schule hatte. Ich habs halt seit 16 Jahren nicht mehr gesprochen (Schade, eigentlich). Klar, Worte wie “Corazon” oder “siempre” versteht man noch irgendwie. Aber das war es dann auch. Abgesehen von den paar Liedern gibt sonst niemand auch nur ein Wort von sich. Außer mal das eine oder andere “Olé”. 3 Lieder bzw. 4 Lieder, wenn wir genau sein möchten, machen jedoch noch kein Musical.

Bitte versteht mich nicht falsch: die Show ist schön. Was die Tänzer leisten, ist großartig! Ich selbst habe schon beim Zusehen Knoten in meinen Sehnerven bekommen, so unfassbar schnell und gewandt tanzen die Darsteller. Aber ein Musical habe ich in an diesem Abend nicht gesehen. Ich sah eine Tanzshow, die qualitativ hochwertig ist. Aber eben auch nichts anderes.

Sämtliche Handlungsstränge werden getanzt. Mitunter sehr ausdrucksstark und Aktivitäten wie der Versuch mehrerer Ladies, sich aus den Armen der sie unterdrückenden Männer zu befreien, werden tänzerisch wirklich gut dargestellt. Die Musik wird der Handlung und der Stimmung angepasst. Ebenso das Licht, mit dem übrigens großartig gespielt wird.

All das ist jedoch etwas gewöhnungsbedürftig, da man – wie schon erwähnt – auch mit einer anderen Grundeinstellung in die Show geht, wenn man ein Musical erwartet, was nun einmal der Titel suggeriert.

Nichts desto trotz ist TANGUERA ein Stück, das mit seiner 20-köpfigen Tanz-Crew ein tolles Ensemble bietet. Aber man sollte sich halt im Vorfeld bewußt sein, dass man ausschließlich Tanz zu sehen bekommt. Kein wirkliches Schauspiel, keinen Gesang (abgesehen von den paar Liedern der alten Dame). Dennoch war ich ein kleines Bisschen enttäuscht als ich das Theater verließ. Ich hatte eine andere Idee von dem, was ich da abends sehen würde…

Wer Tanz gerne sieht, ist bei TANGUERA bestens aufgehoben! Wer aber ein Musical erwartet, wird enttäuscht sein, denke ich.

Ob es dazu geführt hat, dass ich den Tanzkurs belegen werde? Nein, eine Entscheidungshilfe war es nicht. Aber ich verspüre den Drang, mein Spanisch wieder aufzufrischen 😉

 

Foto: Sven Darner

Foto: Herbert Schulze

 

Header-Foto: Manuel Navarro

 

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