„Mamma Mia!“ ist für mich eines dieser Musicals, die ich jeden Tag sehen könnte, ohne dass ich den Spaß daran verliere. Ich liebe die Musik und die Charaktere und auch die Handlung ist wirklich schön. Als ich das Stück vor etlichen Jahren zum ersten Mal sah, war ich hin und weg. Ich mag die Musik von Abba ohnehin sehr, in dem Stück bekommt sie noch einmal einen ganz neuen Drive! Und als damals der Film in die Kinos kam, war ich sofort Feuer und Flamme (bin ich übrigens auch jetzt wegen des zweiten Teils. Und dann auch noch mit Cher. Ich dreh durch 😀 ).

Da ist es aktuell auch ein ganz schon cleverer Schachzug der Produzenten, pünktlich zum Starttermin des Films „Mamma Mia! Here we go again“ das Mamma Mia!-Musical auch wieder auf die Bühne zu bringen.

Ich hatte die Gelegenheit, bei der ersten – nichtöffentlichen – Preview dabei zu sein, und mir das Stück nach ein paar Jahren Abstinenz (das letzte Mal sah ich es in Oberhausen im Metronom-Theater) nun endlich wieder anzusehen. Diese Preview fand im Theater am Marientor statt, dem Ort, an dem die Cast in den letzten Wochen ordentlich Schweiß vergossen hat, denn dort fanden die Proben für die kommende Tour statt.

Stage Entertainment

Die Cast

Allzu revolutionär mutet die Cast der neuen Tour nicht an. Zahlreiche Darsteller kennen wir schon aus den früheren Produktionen, ein paar wenige sind neu dazu gekommen.

So auch der neue Sky, Marvin Schütt, der vor Kurzem erst seinen Abschluss an der Folkwang Musikschule machte. Ich bin ja bei Cast-Entscheidungen sehr offen. Darsteller müssen gut sein und die Rolle toll verkörpern, dann ist es auch egal, ob sie vom Typ her passen. Denn der neue Sky ist vom Typ her nun einmal nicht der Sky, wie man ihn kennt. Er entspricht dem Sky-Stereotypen – braune Haare und trainiert bis zum Abwinken – nicht. Und zum ersten Mal merke ich, dass man hier eventuell doch gerade auf diesen Stereotypen hätte setzen müssen. Schütt ist engagiert, bringt aber das Coole und doch ein wenig Gigolo-hafte, das einen Sky ausmacht, optisch schon nicht so wirklich nicht rüber. Auch bleibt er – leider – gesanglich etwas im Hintergrund, was jedoch daran liegen mag, dass Sky nunmal einen sehr kleinen Solo-Gesangspart hat. Und vielleicht muss er in die Rolle auch einfach noch hineinwachsen…

Katharina Gorgi spielt Sophie und mit ihr ist der Produktion ein absoluter Glücksgriff gelungen. Gorgi ist die absolut perfekte Besetzung der Sophie und von den ersten Tönen an (mit denen sie ja auch das Stück eröffnet), zieht sich den Zuschauer sofort in ihren Bann! Die klare und warme Stimme soll bitte niemals aufhören, zu singen Absolute Idealbesetzung. Ich bin Fan!

Donna, Sophies Mutter, wird gespielt von Sabine Meyer und auch sie ist ein absoluter Traum. Sowohl schauspielerisch als auch gesanglich ist sie absolut überzeugend und für mich DIE Donna!

Tanja und Rosie, Donnas Freundinnen, werden von Betty Vermeulen (Tanja) und Barbara Raunegger (Rosie) verkörpert. Und für mich sind diese beiden Charaktere die heimlichen Stars der Geschichte. Denn sie sorgen in der Story für eine große Portion Humor. Beide Charaktere sind so unterschiedlich wie man nicht sein kann. Rauneggers Rosie ist der Inbegriff des Feminismus, Vermeulens Tanja ist die High-Society-Lady schlechthin. Beide spielen ihren Charakter so perfekt, dass man ihnen jedes Wort abnimmt und die Eigenarten beider Figuren ausreichend kennen- und liebenlernt.

Karim Khawatmi ist Sam, einer von Donnas Verflossenen und Sophies potentieller Vater-Kandidat Nummer 1. Und ich darf an dieser Stelle sagen, dass mich schon die Sprechstimme von Khawatmi total flasht; die Klarheit und das Markante. Und der Gesang steht dem in nichts nach! Eine tolle Besetzung des Sam, denn auch schauspielerisch ist Khawatmi ein absolutes Highlight.

Detlef Leistenschneider, Darsteller des Harry und damit Vaterkandidat Nummer 2 – verkörpert seine Rolle so gut, dass ich den Ruhrpott-Charakter, als den ich ihn noch kürzlich in „Wahnsinn“ sah, direkt vergesse. Sein Spiel des etwas konservativen, unspontanen Herrn ist wirklich sehenswert.

Bill, Vaterkandidat Nummer 3, wird gespielt von Jörg Zuch und seine Hingabe für den Charakter ist absolut bewundernswert. Ich sah Zuch bereits in der Rolle und für mich ist er einfach der Inbegriff dieser Figur. Er ist eine absolut ideale Besetzung des Bill und auch bei ihm stimmen Schauspiel und Gesang gleichermaßen.

Livia Wrede und Abla Aloui spielen Sophies Freundinnen Ali (Livia Wrede) und Lisa (Abla Aloui). Leider sind diese beiden Figuren bis auf wenige Ausnahmen größtenteils im Ensemble „unterwegs“. So ist nun einmal die Story, so ist das Konzept. Schade, denn beide machen einen wirklich guten Job, sodass man sie eigentlich viel öfter singen hören möchte.

Gleiches gilt übrigens für die beiden Freunde von Sky: Eddie, gespielt von Timo Muller, und Pepper, gespielt von Mathew Bailey. Auch diese beiden haben während der Show mehr als einmal die Lacher auf ihrer Seite. Und auch sie sind großartige Besetzungen der beiden Figuren, denn sowohl im Gesang als auch dem Spiel habe ich sie als absolut überzeugend und passend empfunden.

Das Ensemble, das hier in zahlreichen Tanzszenen Großartiges leistet, besteht aus Camilla Bates, Marije von Sonsbeek, Enya Oshaug Weibell, Anneka Dacres, Rosalie de Jong, Eva Maria Bender, Bettina Schurek, Eiko Keller, Tommie Luyben, Peter Knauder, Brad Corben, Marc Schlapp, Oliver Koch und Ben Tyas. Allesamt insbesondere großartige Tänzer, die die Stimmung auf der Bühne mega präsentieren.

 

Musik, Bühnenbild und Fazit

Bei mir ist es ja so: wenn man mich mit bestimmten Songs triggert, dann kann es passieren, dass ich erst einmal ein paar Tage an diese Songs „getackert“ bin. Ich höre sie dann rauf und runter und werde sie nicht leid. Genauso geht es mir bei den Songs von „Mamma Mia!“. Ich muss gestehen, dass schon die Ouvertüre des Stücks bei mir eine Gänsehaut verursacht. Ich sitze also in der Preview und warte sehnsüchtigst auf eben diese Ouvertüre. Und als sie ertönt, bin ich happy. Das reicht mir schon – egal, was danach kommt. Für mich ist dieser Part schon einen Besuch wert 😀 Ja, offensichtlich bin ich ein wenig bekloppt 😀 Aber kennt Ihr das auch, wenn Euch das Intro schon so mitreißt?

Das Bühnenbild ist das altbekannte, simpel gestaltete aber sehr clever drehbare Bühnenbild, das eigentlich nur aus zwei Wänden besteht, die – je nach Ausrichtung – die Taverne sowohl von außen als auch von innen darstellen können. Ich liebe dieses Bühnenbild, denn durch die sehr intelligente Beleuchtung hat man einfach durchgängig das Gefühl, im Urlaub in Griechenland zu sein.

Wie eingangs schon gesagt: „Mamma Mia!“ geht ja eigentlich immer oder? Die aktuelle Inszenierung ist in einigen Szenen bei den Dialogen etwas gepimpt worden, ist dadurch noch komischer.  Wer sich einen großartigen Abend bereiten und viel Lachen möchte, der ist bei „Mamma Mia!“ genau richtig.

 

 

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