Wahrscheinlich kennt jeder diese Szene: Der junge Patrick Swayze sitzt hinter der ebenso jungen Demi Moore, die sich total dem Töpfern hingegeben hat. Und weil Patrick Swayze Demi Moore so liebt, töpfert er mit. Auch ich kenne diese Szene. Und ich muss gestehen – sie ist das Einzige, was ich aus dem Film „Ghost – Nachricht von Sam“ so wirklich kenne. Ob ich den Film jemals ganz gesehen habe, daran kann ich mich – ehrlich gesagt – nicht mehr erinnern. Und so plump, wie die sie Szene hier dargestellt habe, ist sie natürlich nicht. Selbstverständlich hat sie mehr Gehalt und einen tieferen Sinn als einfach nur ein gemeinsames Interesse an Handwerkskunst. Wie dem auch sei – diese Szene ist DIE markante Szene aus dem Film, auf dessen Grundlage das Musical „Ghost“ entstanden ist, das seit Dezember 2017 auch in Berlin läuft. Ich hatte die Gelegenheit, das Stück zu sehen und töpfere Euch hier nun meine Review dazu.

 

GHOST – Worum geht es?

Die Story von Ghost ist schnell erzählt: Sam und Molly sind ein junges Paar, das große Zukunftspläne hat und gerade ein neues Appartment in New York bezieht. Das junge Glück wird jäh zerstört, als Sam eines Abends bei einem Raubüberfall erschossen wird. Molly ist fortan vollkommen aus der Bahn geworfen und trauert gemeinsam mit Carl, Sams bestem Freund, um ihre große Liebe, nicht ahnend, dass Sam als Geist zwischen den Welten „festhängt“. Während er die irdische Welt wahrnehmen kann und alles mitbekommt, können weder Molly, Carl noch sonst jemand Sam sehen. Einzig das Medium Oda Mae Brown ist in der Lage, Sam wahrzunehmen – wenn auch nur akkustisch. Gemeinsam mit ihr und durch sie versucht Sam, seine große Liebe Molly vor einer Gefahr zu warnen, die die junge Frau niemals hätte erahnen können…

 

GHOST – Die Cast

Ghost ist eines der Musicals, dass eine sehr medienstarke Cast erhalten hat. Erstbesetzung der Molly ist Willemijn Verkaik, eine DER Größen des Musicals in Deutschland, den Niederlanden und auch im englischsprachigen Raum. Alexander Klaws konnte als Erstbesetzung des Sam gewonnen werden.

Beide Darsteller habe ich bei meinem Besuch nicht gesehen: Verkaik hatte spielfrei, Klaws war kurzfristig krank geworden. Und ich bin ehrlich: Klaws hätte ich gerne gesehen in der Rolle. Denn die Zweitbesetzung ist nicht unbedingt einer meine Favoriten im Musical: Mathias Edenborn. Ihn habe ich vor gefühlt 100 Jahren als Radames in Aida im Essener Colossum gesehen. Während ich schon damals von seinem Schauspiel nicht so angetan war, passte seine Stimme damals sehr gut zu der Rolle. Zuletzt erlebte ich ihn beim Mitternachtsball in Essen u.a. als Graf von Krolock und als Phantom der Oper. Und das passte wirklich null für mich. Beide Rollen verlangten ihm zu viel ab und für meinen Geschmack wurde er keiner von ihnen gerecht. Aus diesem Grund war ich jetzt auch arg gespannt, wie er den Sam verkörpern würde. Und ich muss zunächst sagen, dass sein Schauspiel in all den Jahren nicht besser geworden ist. Es gibt mittlerweile so gute Darsteller, die unheimlich gut schauspielern können, dass fehlendes Können in diesem Bereich schnell auffällt. Und das war hier der Fall. Schauspiel ist nicht seine Stärke. Dafür konnte Edenborn sich für mich ein Bisschen im Bereich des Gesangs rehabilitieren. Den Sam sang er wesentlich besser als den Grafen oder das Phantom. Allerdings hätte mich alles andere auch überrascht 😀 Aber man merkt schon, dass ihm modernere Songs mehr liegen als die, die mehr in die klassische Richtung gehen. Dennoch muss ich sagen, dass ich mit ihm nicht warm werde…

Zu der weiblichen Hauptrolle: ich bin großer Fan von Willemijn Verkaik. Ich vergöttere ihre Stimme und finde, dass sie eine großartige Darstellerin ist. Aber ich bin ganz ehrlich: ich war froh, dass sie an dem Abend nicht gespielt hat. Denn ich bin der Meinung, dass Verkaik viel, viel, viel zu alt für die Rolle ist. Das kann man auch durch Styling nicht mehr wettmachen. Es ist einfach, einen Mitt-Zwanziger zu einem Professor Ambrosius zu schminken. Aber Willemijn hat nun einmal eine sehr weit fortgeschrittene Stimme. Und man sieht halt auch, dass sie keine 20 mehr ist. In etwa diesem Alter befindet sich jedoch Molly, und so war ich froh, dass ich Melanie Gebhard in der Rolle erleben durfte, der man dieses Alter auch problemlos abnahm 😉 Sie konnte mich auch wirklich überzeugen und hat die Rolle der Molly unglaublich gut verkörpert. Ihre Stimme passt wirklich gut zu der Rolle, sie spielt sowohl in den spaßigen als auch den traurigen und ergreifenden Szenen die Molly absolut authentisch!

Von wem ich aber absolut begeistert bin, ist Andreas Bongard. Er spielt den Carl so gut, dass man ihm wirklich jedes Wort, jede Handlung, jede Verzweiflung abnimmt. Ich muss sagen, dass er schauspielerisch sowie gesanglich Matthias Edenborn wirklich hat erblassen lassen. Bongard hat eine sehr starke Bühnenpräsenz.

Oda Mae Brown wird von Marion Campbell gespielt. Und was soll ich sagen? Ich habe seit langem nicht mehr so gelacht. Das komödiantische Talent dieser Frau ist einfach unbeschreiblich. Ganz nebenbei reißt Ihre Stimme einen auch noch so sehr vom Hocker, dass man nur noch wie hypnotisiert im Publikum sitzt und die ganze Sache einfach genießt.

Während Klaus Seiffert als Krankenhausgeist eher einen unterhaltsamen, spaßigen Geist-Buddy von Sam spielt, der ihn in der Zwischenwelt quasi freundlich willkommen heißt, stellt Nicolas Christahl mit dem U-Bahn-Geist einen eher düsteren und verbitterten Zeitgenossen dar. Natürlich nicht ohne Grund, denn den U-Bahn-Geist umgibt so manches Mysterium 😉 Beide gehen in der Rolle aber vollkommen auf. Toll gespielt!

Oda Mae Browns „Assistentinnen“ werden von Chasity Crisp (Clara) und Denise Lucia Aquino (Louise) gespielt. Die beiden passen sowohl schauspielerisch als auch stimmlich absolut perfekt zu Oda Mae. Zusammen bilden die drei ein grandioses Trio. Chasity Crisp und ihre wahnsinnig tolle Stimme kannte ich bereits aus Bodyguard und wusste, dass mich da eine tolle Darstellerin erwarten würde. In „Ghost“ hat sie mich abermals überzeugt. Genau wie Aquino, die auch grandios ist.

Willie Lopez wird von Mischa Kiek gespielt. Und was soll ich sagen? Man hasst ihn 😀 Ziel erreicht. Denn er ist der große Bösewicht in der Geschichte. Er ist derjenige, der die ganze Handlung in Gang bringt und den man zum Teufel wünscht. Das spielt er wirklich gut und überzeugend.

Eine Lanze muss ich für das Ensemble brechen.
Ghost ist eines der Musicals, das nicht unbedingt durch große und spektakuläre Tanzszenen glänzt. Klar, auch solche gibt es. Aber in Ghost spielt das Ensemble eine eher untergeordnete Rolle. Leider. Denn es wartet mit wirklich tollen Leuten auf, die ihre Sache unheimlich gut machen und auch gewürdigt werden müssen! Ich durfte an diesem Abend im Emseble Rachel Colley, Lani Sumalinog, Susie Porter Annakathrin Naderer, Marcella Adema, Vicky Riddoch, Rhys George, Shane Landers, René Becker, Nikolas Heiber und André Naujoks (als tollen Matrosen 😀 ) erleben! Die Choreographie, die in machen Szenen durchaus etwas tricky ist, da ja mit Sam ein quasi nicht sichtbarere Darsteller auf der Bühne ist, den die anderen Darsteller ignorieren müssen, haben allesamt fantastisch drauf.

GHOST – Die Musik

Vor dem Besuch hatte ich absolut keine Ahnung, mit welcher Musik „Ghost“ aufwartet. Meist ist es schwierig, dann einen „Ohrwurm“ mit nach Hause zu nehmen, weil man ja komplett neu „bespielt“ wird und sich erst einmal an die Musik und die Songs gewöhnen muss. Bei „Ghost“ gibt es aber einige Songs, die direkt im Kopf bleiben. Also abgesehen von „Unchained Melody“, was wohl jedem ein Begriff sein dürfte 😀

„Jetzt und hier“ – eines der ersten Lieder – ist dabei mein Paradebeispiel. Ein moderner Song, den man so auch im Radio hören könnte und der Aufbruchsstimmung erzeugt. Natürlich gibt es auch traurige, düstere Songs. Allesamt sehr modern komponiert. Dabei passen sie sehr gut auf die Darsteller, die Szenerie und die Geschichte. Wirklich tolle Musik, die von Anfang bis Ende stimmig ist.

 

GHOST – Das Szenenbild und die Special Effects

Beim Szenenbild scheiden sich die Geister. Im wahrsten Sinne des Wortes 😀
Während die einen es ein wenig zu luftig und kühl finden, war ich total hin und weg von dem Stage Design. Es ist gewöhnungsbedürftig, ja. Aber ich fand es wirklich toll, denn das luftige Design hat hier viele Möglichkeiten geboten, ohne großen Aufwand, die Szenen schnell und eindrucksvoll zu wechseln.

Dabei ist das Bühnenbild natürlich auch Mittel zum Zweck. Denn durch das Design ist es den Machern gelungen, einige Szenen, in denen gerade die Zwischenwelt dargestellt wird, wirklich beeindruckend umzusetzen. Projektionen tun ihr Übriges dazu. Und Special Effects wie der Gang durch eine Tür oder der Wechsel von Sam von der realen Welt in die Zwischenwelt (denn sein Körper bleibt ja in der realen Welt) sind wahnsinnig toll gemacht und ich war einfach nur baff!

Fazit

„Ghost“ ist ein wirklich tolles Stück. Es lohnt sich absolut, das Stück zu sehen. Gerade aufgrund der oftmals betonten (und auch hier vertretenen) Meinung einiger nicht so optimal ausgeklügelten (und wohl medial bedingten) Besetzungsentscheidungen gilt hier umso mehr: „See the show, not the Star“. Ich bin wirklich dankbar, Melanie Gebhard als Molly gesehen zu haben, weil sie für mich irgendwie eher auf die Molly passt vom Typ her. Schaut Euch die Show an. Lasst Euch mitreißen und haltet auch das eine oder andere Taschentuch bereit 😉

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.