Seit ich die erste Info erhielt, dass die Musicalversion des Kultfilms “Flashdance” im Düsseldorfer Capitol Theater Halt machen würde, habe ich mich auf das Stück gefreut. Ich liebe solche energiegeladenen Stücke, die den einen oder anderen Ohrwurm bereithalten. “Flashdance” ist nun auch einmal ein Stück mit unheimlich viel Potential: es wird viel getanzt (hätte man sich auch denken können bei dem Titel) und die Musik kennt ja wohl fast jeder. Wem sind “Maniac” oder “What a feeling” denn kein Begriff? Diese Songs finden sich ja quasi auf jeder Spotify-Party-Playlist 😉

Erwartungsvoll durfte ich mir also gestern die Show in Düsseldorf ansehen – und wurde leider bitter enttäuscht. Ich muss es so sagen. Denn das Potential, dass dieses Stück hat, wurde von den Machern leider leider nicht in dem Maße ausgeschöpft, wie man es hätte ausschöpfen können.

Es sind gute Ideen da, die Umsetzung hapert aber an der einen oder anderen Stelle doch sehr, beginnend mit dem Ton. Bei Songs, die von mehr als zwei Personen gesungen werden, habe ich ja grundsätzlich (das scheint an mir zu liegen) Probleme, die Darsteller zu verstehen. My fault 😉 Deswegen bin ich da generell nicht so kritisch. Wenn man aber bei einigen Liedern einfach absolut gar nichts versteht, weil die Instrumente vom Sound her so hochgezogen sind, dass der Darsteller mit seinem Gesang null dagegen ankommt, dann ist das eher suboptimal. So geschehen bei zahlreichen Songs, wenn ich ehrlich bin bei mehr als der Hälfte. Ich hatte erhebliche Probleme, die gesungenen Texte zu verstehen. Da ich davon ausging, dass es wieder mal an mir lag (dumme Ohren), habe ich mal Rückfrage bei meiner Begleitung gehalten. Ihr Blick sagte auch mehr als tausend Worte, denn auch sie verstand teilweise keine einzige Silbe in den Songs. Schade, denn nach meiner Einschätzung kann Michael Sattler als C.C. bestimmt ganz gut singen (das hörte ich bei einem Song heraus, in dem die Instrumente nicht so hochgezogen waren), aber wirklich beurteilen kann ich das nach dieser Show leider nicht.

Selbst Sascha di Capri als Nick Hurley hatte teilweise mit den Instrumenten zu kämpfen – und verlor diesen Kampf. Und Sascha di Capri hat ja nun eigentlich eine sehr kräftige Stimme. Natürlich war das nicht bei jedem Song so, aber wenn mehr als die Hälfte der Lieder unverständlich ist, dann führt das tatsächlich einfach zu einem eher gedämpften Musical-Erlebnis. Die Einzige, die man in den meisten Fällen gut verstehen konnte, war Ann Sophie Dürmeyer als Alex Owens. Die kraftvolle Stimme der ehemaligen ESC-Kandidatin bestritt mehrfach erfolgreich den Kampf gegen die Musik und konnte so auch den einen oder anderen Song transportieren.

Die Choreographie im Stück ist gut gemeint, aber in machen Szenen so lahm umgesetzt, dass man förmlich nach der Energie sucht, die dem Stück verloren gegangen zu sein scheint. Einiges ist weit weg von synchron, anderes scheint, als wäre man noch in den Proben. Und dabei bietet die Vorlage einfach so viel, um das Publikum mitzureißen. Das gelingt dem Musical leider nur bedingt und die Bühnenversion verliert einfach sehr viel von dem Drive, den der Film hat und die Musik bietet.

Als sehr anstrengend habe ich die Dialoge empfunden, die (ich hörte schon vorher davon) teilweise nicht einmal an das Niveau einer durchschnittlichen Daily-Soap herankommen: sehr flache und kitschige Gespräche, zahlreiche überflüssige Dialoge, die die Handlung bremsten. Dazu gesellten sich sehr platte Slapstick-Einlagen, die dem Stück leider nicht halfen: so zum Beispiel auch das längere Solo der strengen Rentnerin Hannah, gespielt von Regina Venus. Dies erinnert vom Text her leider an eine StandUp-Comedy-Einlade aus der Rudi-Carrell-Show oder einer Sat.1-Comedy-Weihnachtssendung. Leider wenig überzeugend und auch nicht als “Kontrast” zum Rest wirkend. Es wirkte leider nicht lustig, sondern platt.

Das Bühnenbild ist für meinen Geschmack gut gelungen. Gearbeitet wird hier mit riesigen LED-Wänden, die es möglich machen, den Szenerie jedem Wunsch anzupassen. Was vor Jahren bei “Dirty Dancing” nicht so wirklich gelingen wollte, ist hier ausgereifter und cleverer gemacht. Allerdings ist dies absolute Geschmackssache, denn wer auf “echte” Bühnenbilder steht, wird bitter enttäuscht. Ein solches gibt es nicht. Abgesehen von einer Brücke in der Mitte der Bühne und ein, zwei Wänden wird nahezu alles auf den LED-Wänden digital eingespielt. Bietet natürlich mehr Möglichkeiten, ist aber – wie gesagt – nicht jedermanns Sache (meiner Begleitung gefiel es überhaupt nicht). Der Technik geschuldet sind auch zahlreiche, zu lang dauernde Pausen zwischen den Szenen: zwei der LED-Wände werden mehrfach im Stück mechanisch gedreht, um Szenenwechsel zu ermöglichen. Hierdurch entstehen teilweise Pausen, die einfach zu lang erscheinen und die Handlung leider bremsen.

Sehr enttäuscht war ich leider vom Finale des ersten Akts. Da habe ich Großes erwartet, denn der erste Akt endet mit der berühmten Szene, in der Alex auf am Ende ihres Tanzes auf dem Stuhl sitzt und von einem Schwall Wasser übergossen wird. Ich weiß nicht, warum, aber es wirkte, als hätte man über Ann Sophie in diesem Moment einfach nur einen 0,2-Liter-Becher Wasser ausgeschüttet. Auch hier kam die Energie, die man aus dem Film kennt und die der Song auch mitbringt, nicht zum Einsatz.

Fazit: 
Ein gutes Potential bietend, verliert “Flashdance” als Bühnenversion in meinen Augen leider sehr und wirkt in der Umsetzung eher lahm und energielos. Der eigentliche Star ist die LED-Kulisse, auf die – so hatte ich den Eindruck – das meiste Augenmerk gelegt und mir der größten Detail-Liebe entwickelt und erarbeitet wurde. Schade, denn das Stück bietet ja eigentlich eine gute und “fetzige” Grundlage. Vielleicht liegt es auch einfach an meinen hohen Erwartungen, die ich einfach hatte. Immerhin war es die Musicalversion eines der Kult-Tanzfilme überhaupt, die hier gezeigt wurde. Ich muss dazu sagen, dass es im Publikum auch viele, viele Menschen gab, denen das Stück offensichtlich gefiel. Es ist halt absolute Geschmackssache und ich denke, auch die Erwartungen, mit denen man in das Stück geht, spiele gerade hier eine sehr große Rolle.

 

Foto-Credits: 2Entertain

 

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