Schon seit ich denken kann, bin ich großer Fan von Magie und Zauberei. Es gibt ein Foto von mir aus dem Kindergarten, auf dem ich einen Zylinder trage und einen schwarzen Umhang (und eine grüne Cordhose) und so einem Kindergartenfest Zaubertricks präsentiere. Magie hat mich immer fasziniert. Als Jugendlicher wollte ich “Mega-Magier” werden und meinem großen Idol, Mr. David Copperfield, nacheifern. Hat nicht geklappt. Die Begeisterung ist aber trotzdem bis heute geblieben. Und deswegen war es für mich auch ganz klar, dass ich mir die “Einfach zauberhaft”-Show von Thommy Ten & Amélie van Tass unbedingt ansehen wollte. Und damit nicht genug: denn ich hatte in diesem Zusammenhang auch die Möglichkeit, die beiden vor der Show backstage zu treffen und mich quasi privat und exklusiv verzaubern zu lassen. Den Vlog dazu findet Ihr am Ende des Postings, nach meinem Showbericht.

2016 wurden die beiden Österreicher Thommy Ten & Amélie van Tass Zweitplatzierte bei “America’s Got Talent”, der amerikanischen Version des Supertalents. Keine andere als Heidi Klum sitzt dort unter anderem in der Jury und ließ sich von Woche zu Woche neu von den beiden verzaubern. Mit Erfolg. Sie schafften es ins Finale und konnten schließlich den zweiten Platz für sich einnehmen – aus hunderttausenden Bewerbern. Ganz gut, wie ich finde 😉 Bereits zuvor traten sie in 2014 mit einem Pensum von über 300 Shows in den USA im “Illusionarium”, einem eigens für die Show gebauten Theater, auf. Und nun touren sie und eine Station war meine “Hood” – Essen. Das Colosseum Theater ist eines der schönsten und eindrucksvollsten Theater in Deutschland. Ursprünglich eine Industriehalle, steht das Gebäude heute unter Denkmalschutz. Das Innere ist eine Mischung aus alter Industrie und moderner Theater-Architektur. Eine ganz großartige Verbindung, wie ich finde. Und deswegen passt es auch so wunderbar zu der Show von Thommy Ten und Amélie van Tass. Denn auch diese Show ist eine Ansammlung großartiger Verbindungen und Beziehungen.

Während der Show weisen die beiden großartigen Magier – und Weltmeister der Zauberkunst – stets auf ihre besondere Verbindung hin. Kurze Videos auf einem großen LED-Screen informieren uns – übrigens sehr hochwertig produziert – über die Begegnung der Beiden, den Bruchteil der Sekunde, in dem beide wussten, dass diese Begegnung kein Zufall sein konnte und dass sie füreinander bestimmt waren. Das macht die beiden Hauptakteure (ich schreibe bewußt “Haupt”, denn es gibt während der Show noch zahlreiche weitere Akteure – nämlich das Publikum) unheimlich sympathisch und greifbar. Sie zeigen uns, dass es Verbindungen zwischen Menschen gibt, die magisch sind. Und damit bauen sie das Fundament ihrer Show. Denn diese ist unheimlich clever konzipiert. Es findet keine wahllose Aneinanderreihung von zusammenhanglos konzipierten Großillusionen statt. Nein, alle Tricks sind irgendwie aufeinander abgestimmt, in sich stimmig und funktionieren unheimlich gut als großes Ganzes. Die Show ist – bis auf sehr wenige Ausnahmen – komplett auf Mentalmagie ausgerichtet. Und das ist schön zu sehen. Denn während so mancher Trick der großen Zauberer heute schon mehrfach in den unterschiedlichsten Versionen vorgeführt und damit ein wenig an Glanz verloren hat, ist die Mentalmagie eines der wenigen Gebiete der Zauberkunst, das noch weniger Beachtung findet und damit für den Zuschauer wesentlich interessanter ist. Schon mein Besuch bei Nicolai Friedrich in diesem Jahr konnte mir das beweisen.

Was ich aber bei Thommy und Amélie sehen durfte, übertraf selbst meine Erwartungen. Dadurch, dass ich seit dem Kindesalter Magie-Fan bin, habe ich mich – natürlich vorwiegend in der Phase, in der ich eine Ausbildung zum Bühnenzauberer als Berufswunsch hatte – intensiv mit Zaubertricks und Illusionen beschäftigt. Und ich mag von mir behaupten, die Tricks der großen Illusionen alle zu kennen. Bei Mentalmagie hört es dann aber auf. Dieses Terrain ist für mich nicht so leicht zu durchschauen. Und die Qualität, die Thommy und Amélie hier mit ihrer Show bieten, flasht mich ohne Ende. Ich sitze 80% der Zeit kopfschüttelnd und mit offenem Mund auf meinem Platz und bin baff. Da ich an dieser Stelle nicht verraten möchte, was die beiden in der Show zeigen, um den Zauber nicht vorwegzunehmen, kann und möchte ich an dieser Stelle nur eines sagen: diese beiden – insbesondere Amélie – MÜSSEN übersinnliche Kräfte haben 😉

Haben sie natürlich nicht. Aber sie verpacken ihre Kunst so gekonnt und charmant, dass man sich das Ganze schlichtweg nicht erklären kann. Hat man sich gerade wieder “beruhigt”, weil man vor Neugier vollkommen durchdreht, wird das gerade Gesehene schon wieder getoppt durch den nächste, atemberaubenden Trick. Und ich übertreibe nicht. Ich habe selten so großartige Zauberkünstler gesehen, die mich durchweg ins Staunen versetzt haben! Immer wieder werden dabei “Beziehungen” betont und in den Fokus gerückt. Das macht die Sache irgendwie noch “unheimlicher” (im positiven Sinn!!!), denn von Mal zu Mal hat man mehr das Gefühl, das zwischen zufällig (per Wasserbällen im Publikum) ausgewählten Menschen wirklich eine Beziehung zu bestehen scheint. Gedankliche Verbindungen, die dazu führen, dass Menschen etwas spüren, was sie eigentlich gar nicht spüren können. Verbindungen, die bewirken, dass Kreditkarteninformationen scheinbar komplett per Gedankenübertragung “ausgelesen” werden.

Die Show ist für mich ein einziger Wahnsinn. Kleine Tricks mit einem Seil oder einem Puzzle zwischendurch durchbrechen die Mentalmagie, was gut ist, denn so ist die Mischung perfekt. Eine “Großillusion” ist auch dabei und auch diese gefällt mir sehr gut. Und ich kann mich nicht davon freisprechen, dass ich bei der Illusion gedacht habe “Endlich mal eine, die ich erklären kann” 😀 Ich zweifelte schon an meinem Verstand. Was ja aber gar nicht nötig ist. Denn ist es nicht eigentlich schön, sich fallen und verzaubern zu lassen? Sich einfach der Illsuion hinzugehen? Den jeweiligen Trick auf sich wirken zu lassen? Sich begeistern zu lassen? Sich von dem Gedanken, dass es ein Trick ist, freizumachen? Aufhören, zu grübeln, wie etwas funktioniert? Das ist es! Es is genau das, was wir ab und an – vor allem in turbulenten Zeiten wie den heutigen – doch brauchen. Ein bisschen Magie, die uns ein Lächeln ins Gesicht zaubert und die uns unsere Sorgen vergessen lässt. Und dafür bin ich Thommy und Amélie dankbar. Denn sie schenken mir mit ihrer Show knapp 3 Stunden Unbeschwertheit. Zeit, in der ich einfach alles auf mich wirken lasse. Und zum ersten Mal ist es mir in einer Zaubershow komplett egal, wie die Tricks funktionieren. Denn die Wirkung ist doch so viel wichtiger. “Denk nicht nach, genieße die Show”, bekomme ich vor der Show per Whatsapp von einer lieben Bekannten angeraten. Und sie hat Recht. Und ich folge ihrem Rat. Und es war einfach ganz wunderbar!

Thommy und Amélie schaffen eine Atmosphäre, die einen alles um sich herum vergessen lässt. Denn was auch nicht jeder Magier kann: Publikums-Betreuung 😀 Viele Magier machen große Bühnenshows und vernachlässigen den Kontakt und die Interaktion mit dem Publikum. Nicht aber Thommy und Amélie. Denn ihre Show lebt vom Publikum. Und das macht sie einzigartig. Denn jeder Mensch ist eine neue “Herausforderung” für die beiden, jeder Gast ist anders. Und sie agieren so gekonnt, professionell, charmant und witzig mit dem Publikum, dass es wirklich richtig Spaß macht. Klar, der eine oder andere Schweißtropfen bildet sich auf der Stirn, wenn sie durch die Reihen gehen, um Kandidaten für einen Trick auszusuchen. Denn nicht selten endet diese Suche damit, dass eben dieser Kandidat auf die Bühne kommt. Doch irgendwie fürchte ich mich bei den beiden nicht ganz so arg wie bei anderen Shows. Woran das liegt, weiß ich nicht. Vielleicht an einer inneren, unerklärlichen Verbindung zu den beiden, die mich beruhigt… 😉

 

Hüpft mal rüber zum YouTube-Kanal – da gibts meinen Vlog über den Backstage-Besuch:

 

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