Ich bin in einem Alter, in dem ich sagen kann “Ja, ich habe das Boyband-Zeitalter – jenseits von One Direction – in seiner vollen Pracht und Dröhnung mitbekommen.” Ich war im besten Alter, als Boybands auf ihrem Zenit waren; ich bekam mit, wie sie aus der Erde schossen und eine Band nach der anderen die Herzen aller Teenager gewann. Die 90er waren DAS Zeitalter der Boybands. Die Mitglieder von One Direction, die erst viel später hip werden würden, waren da noch nicht einmal in der Schule. Wenn ich daran denke, dann wird mir ganz komisch, um ehrlich zu sein 😀

Auch wenn One Direction die wohl erfolgreichste Boyband aller Zeiten sein dürfte, so wären sie niemals das geworden, was sie waren, ohne die erfolgreiche Vorarbeit von Gruppen wie Take That, den Backstreet Boys, East 17, Westlife oder Boyzone. Und was eint alle diese Bands? Sicher, all diese Bands haben ihre besten Zeiten hinter sich, sie hatten Ups & Downs, waren von Skandalen betroffen (außer Westlife, die Streber). Und noch eines eint sie: Thomas Herrmanns; und seine offensichtliche Liebe zu Boybands. Denn der Comedian beschloss, sich ans Boyband-Schneidebrett zu setzen und DIE Boyband zusammenzustellen, die alle Stereotypen der vergangenen Boybands vereint. Das Ergebnis: BOYBANDS FOREVER.

Heute, am 04.10.2017, hat die Show in München ihre Premiere. Ich konnte bereits am vergangenen Samstag die Generalprobe sehen. Und fühlte mich in alte Zeiten zurückversetzt.

Boybands forever – N24 meets MTV

Das Ganze ist irgendwie eine Mischung aus Dokumentation und Konzert. Der Comedian Dittmar Bachmann moderiert die Veranstaltung (diesen Job teilt er sich mit Ole Lehmann, der alternierend auch als Moderator auf der Bühne steht) und bringt uns in einer lehrreichen und unterhaltsamen Art (“Aufpassen, Pop Masterclass von 2017, für mich ist auch schon die 6. Stunde”) das Phänomen “Boybands” nahe. Wir erfahren als Zuschauer alles über die einzelnen Role Models, die Stereotypen, einer Boyband. Denn jede Band ist bzw. war gleich aufgebaut. Bezugnahmen zu “echten” Boybands dürfen nicht fehlen und untermauern das Gelehrte.

Die Show besteht aus mehreren Blöcken, die die einzelnen Stagen einer jeden Boyband – angefangen vom Casting bis hin zur stets unvermeidlichen Aufspaltung der Band – beschreiben und darstellen. Und das schafft die Show auf unglaublich unterhaltende Art und Weise. Denn sie ist gespickt mit den größten Hits der Boybands der 90er (und natürlich kommt auch was von One Direction vor 😀 ). Sofort habe ich Flashbacks. Klassenfahrten. Abschlussfeiern. Knack31-Parties (kennt das überhaupt noch jemand? Schreibts mir in die Kommentare, wenn ihr es noch kennt :D). All das sehe ich vor meinem geistigen Auge, denn das, was ich gerade höre, ist der Soundtrack meiner Jugend.

Klar, offiziell hat man nie Songs von N’SYNC oder den Backstreet Boys (damals im “Fachjargon” liebevoll “BSB” genannt) gehört. Aber eigentlich ja doch. Denn jede “Bravo Hits” war voll von ihren Songs. Und eigentlich waren sie ja auch nicht schlecht. Sondern sogar teilweise recht gut arrangiert. Dennoch prahlte man nicht damit, solche Lieder zu hören. Green Day war cooler.

Und hier setzt BOYBANDS FOREVER an. Denn das erklärte Ziel der Show – so Dittmar Bachmann – ist, dass der Zuschauer erhobenen Hauptes und voller Stolz das Haus mit der Behauptung “Ich finde Boybands toll” verlässt. Und irgendwie schafft diese Show das auch! Die Stimmung im Saal ist bereits mega, da hat die Show gerade erst angefangen. Um mich herum sitzt ein stark gemisches Publikum, neben uns sitzt ein Mädchen, das noch so jung ist, dass es eine Sitzerhöhung braucht. “Backstreet Boys” – für sie sicher sowas wie für mich die Beatles. Eine Band aus längst vergangener Zeit. Auch im Publikum sind Altersgenossen. Menschen, die sicher genau wie ich ihre Flashbacks bekommen, wenn sie Songs wie “I want it that way” oder “Bye Bye Bye” hören.

Es ertönen die ersten Songs und die ersten Zuschauer springen auf und tanzen. Und das steckt an. Nach und nach und von Lied zu Lied stehen mehr Leute auf, tanzen und singen zu den altbekannten Boyband-Songs.

Fürs Runterkommen sorgt dann wieder Dittmar Bachmann, der uns von Etappe zu Etappe mit humorvollen Erklärungen und Infos versorgt. Wie war das noch gleich mit dem ersten Video einer jeden Boyband? Klar, Sex sells. Viel Haut, viel Wasser. Et voilá! Ein Augenschmaus für viele im Saal – lasst Euch überraschen 😀

Eine kleine (wirklich kleine) Kritik möchte ich äußern: mir fehlten diverse Songs. Das Verhältnis von Moderation zu Gesang war meiner Meinung nach nicht ausgeglichen. Für mich wurde zu viel gesprochen und zu wenig gesungen. Einige Bands wurden zwar erwähnt, aber fehlte es an ihren Songs. Generell fehlten mir einige Highlights meiner Jugend; aber jede hat ja andere Highlights und andere Songs, die er mit der Zeit verbindet. Insofern ist die Mischung schon gut gewesen, aber es könnten gerne mehr Songs sein auf der Setlist 😉 (Kleiner Wink an Thomas Hermanns 😀 ).

Die von Hermanns “kreierte” Boyband besteht aus 5 Jungs, die aus den USA und UK stammen. Jeder von ihnen verkörpert einen der Stereotypen einer Boyband und das machen sie grandios. Auch wenn mir ein Charakter zu überzeichnet ist (Ihr werdet merken, wen ich meine), weil es ihn so in dieser Form nie wirklich in einer Boyband gab, entspricht die Zusammenstellung genau dem Rezept, das die Boyband-Köche damals stets herausgekramt haben. Singen können alle. Und das sogar wirklich gut. Jeder von Ihnen hat im Laufe der Show auch mal seinen eigenen Part, den er präsentiert, denn es gibt neben großen Choreographien (bspw. zu “Bye Bye Bye” oder “Larger than life”) auch Songs, die nur von einzelnen Bandmitgliedern gesungen werden, um einen Teil der Story darzustellen.

 

Das Kreativteam

Thomas Hermanns, seit 20 Jahren erfolgreicher Entertainer und bekennder Boyband-Fan, ist für Buch und Regie der Show verantwortlich. Und das hat er gut gemacht. Die Show hat einen roten Faden, sie spielt mit den typischen Boyband-Klischees (in jedem Klischee steckt ja auch ein Funken Wahrheit) und durchleuchtet das Phänomen Boyband mit einem Augenzwinkern, aber auch mit dem nötigen Respekt und der erforderlichen Wertschätzung für das, was damals geleistet wurde.

Die künstlerische Umsetzung kommt von Marvin A. Smith, der die Choreografien entwickelte. Dem deutschen Publikum ist er bekannt als Juror einer Tanz-Show. Im Laufe seiner Karriere als Choreograph arbeitete er bereits mit Stars wie Michael Jackson, En Vogue, Donna Summer, Anastacia oder auch Helene Fischer zusammen.

Musikalischer Leiter der Show ist Christoph Papendieck. Und der Mann hat Ahnung, denn er gehört als musikalischer Direktor zum Kreativteam von Helene Fischer. Darüber hinaus ist er international als Produzent, Songwriter und international Live-Musiker unterwegs.

 

Mein Fazit

Ich bin von der Show wirklich positiv überrascht worden. Dachte man anfangs, man schaut sich eine Show mit Fremdschäm-Charakter an, so wurde ich schnell eines Besseren belehrt. Die Stimmung im Publikum ist unglaublich. Und das schon im einem verhältnismäßig kleinen Theater wie dem Theater am Marientor. Ich vermag nicht zu sagen, wie mega die Stimmung in großen Hallen sein wird. Ich glaube, das ist nochmal eine ganz andere Hausnummer. Party ist garantiert, Ohrwürmer ebenso. Ich habe mich wirklich sehr gut unterhalten gefühlt und ging mit dem Eindruck nach Hause, dass sie doch gar nicht so fies waren, die Boybands. Nee, eigentlich hatten sie alle ihre Daseinsberechtigung. Naja, vielleicht nicht alle. Aber die Wichtigen schon 😉

 

Tickets für die Show bekommt Ihr hier:
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