[:de]Wäre ich vor nur 8 Monaten in dieses Musical gegangen, hätte der Titel Ich war noch niemals in New York perfekt gepasst. Denn meine erste New York-Reise ever machte ich dieses Jahr im April. Ich muss wohl an dieser Stelle nicht weiter ausführen, wie großartig diese Reise war (könnt Ihr hier lesen) oder was für eine wahnsinnige Stadt NY auch für Entertainment- und Musical-Liebhaber wie mich ist (das lest Ihr dann hier). Also, wer noch ein tolles Weihnachtsgeschenk sucht, der verschenkt einfach mal eine Reise nach NY! 🙂

img_20161208_204615Zum Geburtstag bekam ich also von meiner Freundin Yvonne (ebenfalls musicalfanatisch ohne Ende) einen Abend bei Ich war noch niemals in New York geschenkt, das momentan im Essener Colosseum gastiert. Das Colosseum Theater ist übrigens eines der schönsten Musicaltheater Deutschlands, wie ich finde. Die unter Denkmal gestellte ehemalige Krupp-Stahlwerk-Produktionshalle wurde vor vielen Jahren (damals anlässlich der Aufführung von “Joseph”, dem Erstlingswerk von Andrew Lloyd Webber, das dieser bereits zu Schulzeiten schrieb) umgebaut und in einen Event-Palast verwandelt, der durch die alte Struktur unheimlich charmant ist. Als Veranstaltungshalle beherbergt das Colosseum mittlerweile auch die Castings von “Das Supertalent” und ständig wechselnde Shows.

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Und so ist also das Schiff eingelaufen, dass Yvonne und mich musikalisch nach New York bringen sollte.

Fun Fact: Der „Pausengong“ ist übrigens nicht das übliche sanfte Klingeln, nein, es ist ein Schiffshorn, dass ertönt. Sehr nice. Solche Details finde ich super.

 

Ich muss sagen, ich hatte keine Erwartungen an das Stück. Die Musik kannte ich teilweise natürlich, denn diese besteht komplett aus Liedern von Udo Jürgens. Und auch wenn ich kein Fan von ihm bin bzw. war, so kennt man doch einige seiner Hits wie “Aber bitte mit Sahne” oder “Griechischer Wein”. Erwartungslos nahmen Yvonne und ich also Platz im Publikum. Wir hatten gehört, dass das Musical wirklich schön sein sollte. Mehr wussten wir nicht.

Die Story? Wirklich befasst hatten wir uns damit vorab nicht.

Die Darsteller? Wir schauen auf die Besetzung des Abends… “Kennst Du einen davon?” fragt mich Yvonne. Ich überlege. Und komme zum Ergebnis, dass mir keiner der Namen bekannt ist. Oder doch? Der eine, hat der nicht bei Bodyguard getanzt? Ach nee, der war im Ensemble von Mamma Mia! “Stars” sind also offensichtlich keine dabei. Das ist aber auch absolut nicht schlimm (lest hier einen Artikel von West End Wilma, einer Londoner Theaterbloggerin, zu dem Thema „Book tickets to see a show, not a star!“). Mich stört sowas gar nicht. Andere gehen nur ins Musical, wenn die Erstbesetzung spielt. So ein Quatsch. Oft ist die Zweitbesetzung sogar besser, denn mancher „Star“ wird nur des Namens wegen zur Erstbesetzung, egal, ob er gesanglich der Rolle gewachsen ist oder nicht…

Die Musik? Wie gesagt, in Grundzügen bekannt. Aber eine CD von Udo Jürgens aus dem Regal meiner Mutter hatte ich nun vorab nicht ausgewertet.

Und so ließen wir uns überraschen. Und das hat wirklich gut funktioniert!

Die Hauptdarsteller Sarah Schuetz und Karim Khawatmi in der Mitte mit Matrosen bei der Fotoprobe - ICH WAR NOCH NIEMALS IN NEW YORK, das Musical mit den Liedern des unvergessenen Udo Juergens. Es feiert am 25. Maerz Premiere im im Stage Theater des Westens. Copyright: Eventpress Radke Datum 23.03.2015

Ich war noch niemals in New York – Worum geht es?

Hauptfigur des Musicals ist die ambitionierte TV-Moderatorin Lisa Wartberg. Als das Paradebeispiel einer „schlechten Tochter“, die nur ihre Karriere im Kopf hat, findet sie kaum Zeit für ihre Mutter, Maria Wartberg. Jene verbringt ihre Zeit in einem Altenheim. Zum Glück nicht ganz allein, denn der charmante Otto Staudach, ebenfalls Heimbewohner, findet Ihre Zuneigung. Und so verlieben sich die beiden ineinander und beschließen, die Zeit, die ihnen noch bleibt, sinnvoll zu nutzen. Kurzerhand buchen sie eine Kreuzfahrt nach New York, um dort unter den Augen der Freiheitsstatue zu heiraten. Von der Heimleitung über den „Ausbruch“ alarmiert, sieht Lisa Wartberg keine andere Möglichkeit, als ebenfalls das Kreuzfahrtschiff zu betreten und ihre Mutter zur Vernunft zu bringen. Und zu allem Überfluss wird sie dabei auch noch von Axel Staudach, Ottos Sohn, begleitet, der nun einmal das gleiche vorhat wie Lisa.  Es folgt eine turbulente Kreuzfahrt, auf der Lisa deutlich wird, dass es auch noch andere Dinge gibt als die Arbeit. Als Lisa dann aber die Nachricht erhält, dass ihr der Fernsehpreis verliehen wird, sieht sie sich in einer Zwickmühle, denn der schroffe Axel Staudach hat es geschafft, Lisa in seinen Bann zu ziehen. Und so steht Lisa schließlich vor der Wahl: Axel oder Fernsehpreis?

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Kitsch und Schlager

Das Musical spiegelt genau das wieder, wofür seine Musik steht. Kitsch pur. Schlager ist nun einmal als Kitsch „verschrien“. Mitunter zu Unrecht, gerade die neueren Songs können mit aktueller Popmusik schon mithalten. Aber Songs wie die von Udo Jürgens sind der Inbegriff des Schlagers. Und da liegt es nicht fern, dass das Stück, das auf seinen Liedern basiert, genauso kitschig ist wie die Branche selbst, der die Lieder zuzuordnen sind.
Die Kulisse ist wirklich sehr gut gemachtes Bühnenbild, das viel Licht und grelle Farben bietet. Generell ist die Inszenierung sehr grell und farbenfroh.

Das Thema aber hätte kitschiger nicht sein können. Eine Liebesgeschichte zwischen zwei älteren Herrschaften, deren Kinder sich ebenfalls ineinander verlieben – das ist schon auf dem Niveau einer Rosamunde Pilcher. Wenn dann auch noch als Parallel-Story die Liebesgeschichte von Lisas Assistenten Fred und seinem griechischen Lover Costa dazukommt, sind alle Kitsch-Klischees bedient 🙂 Tatsächlich ist dieser “Sidekick” mit Fred und Costa weitaus lustiger und unterhaltsamer als die eigentliche Haupt-Liebesgeschichte.

Die Story passt zur Musik. Mitunter aber hat man das Gefühl, dass es anders herum nicht der Fall ist. Denn während man bei Musicals wie Mamma Mia! durchweg den Eindruck hat, dass die Musik die Story ergänzt, ist es bei Ich war noch niemals in New York genau umgekehrt. An manchen Stellen vermittelt das Stück den Eindruck, als sei gerade diese eine Szene jetzt nur hineingeschrieben worden, damit noch ein weiterer Song eingebaut werden kann. Das ist nicht tragisch, mitunter ist es sogar komisch (der Übergang zu „Griechischer Wein“ ist wirklich sehr lustig); die Musikeinsätze bei bestimmten Szenen sind das, was Lacher bringt. Ein erheitertes “Come on” oder “Ach bitte” konnte man ab und an schon hören. Die Offensichtlichkeit des Konstruierten scheint genauso gewollt.

Die Musikstücke sind dem Musical gut angepasst, teilweise – es ist der Story geschuldet – natürlich textlich ein wenig „korrigiert“.

Die Darsteller verkörpern ihre Charaktere gut. Überspitzte Darstellungen (der schwule Chef-Stuart ist ne Wucht!) sind ebenso unterhaltsam wie die grandiosen Tanzeinlagen, die – ganz im Stil des New Yorker Broadways – größtenteils revueartig choreographiert sind. An Unterhaltung mangelt es dem Musical definitiv nicht!

Einziger wirklicher Kritikpunkt: die Abmischung des Tons. Die Musik war im Verhältnis zu den Stimmen leider zu laut eingestellt. Oft hat man schlichtweg nichts verstanden, gerade wenn das Ensemble gesungen hat. Das ist aber ein oft zu beobachtendes Phänomen. Sobald Chöre singen, verstehste nix mehr im Musical. Vielleicht liegt es an meinen Ohren? Oder beobachtet Ihr das auch? (Ganz schlimm ist es bei Starlight Express, finde ich. Da versteht man oft einfach überhaupt nichts mehr).

 

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“Ich war noch niemals in New York ist noch bis zum 11.12.2016 in Essen anzusehen (also flott noch Tickets gekauft), danach dann ab dem 16.12.2016 bis zum 07.01.2017 in der Alten Oper in Frankfurt und ab dem 19.01.2017 dann wieder im Stage Theater an der Elbe in Hamburg, quasi in der Heimat, wo das Musical vor 10 Jahren seine Uraufführung hatte. Dort löst es “Das Wunder” (einst hieß es “Das Wunder von Bern”) ab, für das am 05.01.2016 der letzte Vorhang fällt. Die Spielzeit in Hamburg ist mit 6 Monaten angekündigt.

Tickets könnt Ihr hier ordern!

 

Den Soundtrack von der Uraufführung in Wien bekommt Ihr hier:

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