Ich liebe “Hairspray”. Seit ich es vor einigen Jahren im Musical-Dome Köln mit Maite Kelly als Tracy Turnblad und Uwe Ochsenknecht als Edna Turnblad gesehen habe, bin ich großer Fan dieses Stücks. Damals habe ich über “Studi-VZ” (ja, das war zu der Zeit noch voll der heiße Scheiß) ein Ticket in einer Promo-Aktion für 20 Ezuro bekommen – in der 4. Reihe. Undenbkar heutzutage, oder? 😀

Ich feierte es ohne Ende, als dann später der Film (u.a. mit John Travolta als Edna und Michelle Pfeifer als rassistische Produzentin) in die Kinos kam. Die Musik, die Handlung, die Kostüme und die Charaktere sind allesamt einfach perfekt.

Und natürlich war für mich klar, dass ich das Stück auch in der aktuellen Inszenierung im Theater Dortmund sehen wollte. So zog es mich letzte Woche ins benachbarte Dortmund, und ich kann sagen: der Besuch hat sich mal wieder gelohnt. Denn die Dortmunder Inszenierung von “Hairspray” ist einfach nur großartig.

“Hairspray” – worum geht es?

Wir finden uns im US-Städchen Baltimore in den 60er Jahren wieder. Tracy Turnblad, ein “gewichtiges”, junges Mädchen, liebt es zu tanzen. Und was sie genauso liebt: mit ihrer Freundin Penny die “Corny Collins Show” zu gucken, eine TV-Show, in der Teenager singen und tanzen. Tracys Mutter aber ist nicht begeistert von dem Spleen ihrer Tochter. Als Tracy dann auch noch beabsichtigt, sich für die TV-Show als Mitglied der Teenager-Crew zu bewerben, fällt Edna Turnblad komplett vom Glauben ab. Das passt nicht mit ihrem Weltbild zusammen, sollte Tracy doch einmal das 1-Frau-Reinigungsunternehmen übernehmen. Und überhaupt: die Welt sei nicht bereit für Leute wie Tracy und Edna. Sie fürchtet, Tracy würde Schaden nehmen aus ihrem Vorhaben. Doch Tracy sieht das anders, bewirbt sich… und wird vor Ort als zu dick ausgelacht. Das hindert sie aber nicht, ihren Traum weiter zu verfolgen. Schleißlich schafft sie es in die Show und sorgt für – positive wie negative -Unruhe. Denn allen Problemen voran, herrscht in dieser Zeit die Rassentrennung. Die weiße Bevölkerung unterdrückt die Schwarzen und sieht sich ihnen überlegen. Doch Tracy ist auch in dieser Hinsicht anders. Sie will die Rassentrennung beseitigen – und findet dafür sowohl Zuspruch als auch Widerstand. Doch Tracy wäre nicht Tracy, wenn sie nicht dennoch weiterkämpfen und ganz nebenbei noch versuchen würde, ihren Schwarm aus der Show – Link Larkin – zu bezirzen…

HAIRSPRAY, ©Bjoern Hickmann, Stage Picture

©Bjoern Hickmann, Stage Picture

Die Cast

Die Cast ist wirklich großartig! Mit Marja Hennike ist eine ganz wundervolle Tracy Turnblad gefunden worden, die mindestens genauso wundervoll für Jörn-Felix Alt als Link Larkin schwärmt. Der Song “Glocken klingen hell”, der schon im Film einer meiner Lieblingssongs (“I can hear the bells”) ist, wird von Marja unglaublich gut umgesetzt – sowohl stimmlich als auch im Spiel. Jönr-Felix Alt ist ein grandioser Link Larkin und überzeugt nicht nur durch den übermäßigen Gebrauch seines Haarsprays 😀

Edna Turnblad wird – ganz in der Tradition des Musicals stets männlich besetzt – von Hannes Brock gespielt. Und er ist mein eigentlicher Star des Musicals. Denn er schafft es ganz großartig, den scheuen, gleichzeitig strengen, dennoch von Selbstzweifeln geplagten Charakter der Edna so lustig wie überzeugend darzustellen, dass ich mir niemand anderen in der Rolle vorstellen kann. Ich danke für diese schauspielerische Leistung. Fritz Steinbacher als Wilbur Turnblad ist ein wundervoller, verwirrter und liebevoller Charakter.

Penny Pingleton, Tracys beste Freundin, wird gespielt von Annakathrin Naderer. Und das macht sie fabelhaft. Denn Penny ist ein Charakter, der sicher nicht einfach zu spielen ist. Widerstandskämpferin gegen die Mutter, leicht schusselig und naiv und dabei äußerst liebenswert. Naderer schafft es, all diese Attribute perfekt zu verkörpern. Und im Zusammenspiel mit ihrem “Schwarm” Seaweed J. Stubbs, der toll gespielt wird von Michael B. Sattler, glänzt sie richtig.

Morgan Moody gibt einen tollen Corny Collins ab, auch und vor allem in den Szenen, in denen er sich gegen die Produzentin Velma van Tussle durchsetzen muss. Jene wird verkörpert von Sarah Schütz – und da sind wir bei meinem Star Nr. 2 des Stücks. Denn Velma van Tussle (“Bevor ich gleich kotze…”) ist in ihrer Arroganz, Überheblichkeit und der abwertenden Haltung allen anderen Menschen gegenüber ein Charakter, der sicher sehr viel Spaß beim Spiel macht. Das merkt man Schütz an, denn sie geht in der Rolle auf und ich war quasi schockverliebt in die Dortmunder Velma. Ihre Tochter Amber van Tussle wird gespielt von Marie-Anjes Lumpp, und auch sie macht das wundervoll. Denn die Arroganz der Mutter lebt in der Tochter fort. Und so überzeugt auch Lumpp durch ihre Kunst, den überheblichen Charakter der Mutter quasi “in klein” in der Tochter zu verkörpern.

Deborah Woodson ist wohl eines der größten Gesangstalente der Inszenierung. Ihre Interpretation der Motormouth Maybelle ist gesanglich einfach der Wahnsinn. “I know whrer I’ve been” wurde bisher von großartigen Frauen wie Jennifer Hudson oder Queen Latifah gesungen in ihren TV-/Kino-Inszenierungen. Woodson steht mit ihnen auf einer Ebene. Ihre Version des Songs flasht mich total weg und bringt das Haus fast zum Einsturz. Wie lang kann man bitte einen Ton halten? Unglaublich! Chapeau!

Genauso mega sind Anneka Dacres (als Pearl), Denise Lucia Aquino (als Peaches) und Taryn Anne Nelson (als Cindy Watkins). die zusammen die “Dynamites” verkörpern. So grandiose Stimmung und wahnsinnig tolle Frauen! Dapheny Oosterwolde glänzt in der Rolle der Inez, der kleinen schwarzen Lady.

Aber auch die übrigen Darsteller, das Ensemble und die Tänzer wurden hier nach Qualität und nicht nach Namen gecastet. Das merkt man sofort, denn alle verstehen ihr Handwerk. Und sind ganz wundervoll in ihren Rollen.

Die Cast insgesamt:

Die Musik ist natürlich live und kommt von den Dortmunder Philharmonikern, denen ich hiermit noch einmal virtuell applaudieren möchte. Denn diese Damen und Herren verstehen echt ihr Handwerk und sind einfach der Hammer. Ich durfte sie bereits im Sommer bei dem Cityring-Konzert von Patricia Meeden und Mark Seibert erleben und war auch dieses Mal bei ihrem Einsatz in “Hairspray” genauso hin und weg. Und wie auch schon bei den Cityring-Konzerten zeichnet sich für “Haispray”  Philipp Armbruster für die musikalische Leitung verantwortlich, gemeinsam mit Ingo Martin Stadtmüller.

Das Kreativteam kann sich derweil auch sehen lassen:

 

Mein Fazit

Ich bin auch dieses Mal von “Hairspray” nicht enttäuscht worden. Das Musical macht gute Laune, auch wenn es einen etwas “schwierigen” Plot hat mit der Rassentrennung, die ja eigentlich nicht wirklich lustig ist. Aber das Stück schafft, es all die Probleme mit der ausreichenden Portion Humor zu vermitteln und zu behandeln und zeigt, dass es immer Wege gibt, Differenzen zu überwinden. Wenn man nur den richtigen Beat hat 😉

Also, mein Rat an alle da draußen: schaut Euch “Hairspray” in Dortmund an. Springt auf die Seite der Oper Dortmund und sichert Euch Tickets.

 

©Bjoern Hickmann, Stage Picture

 

Eine Antwort

  1. Gerlinde

    Ich war am 5.12 in der Show und kann den Bericht doppelt unterstreichen. Hannes Brock war auch mein heimlicher Star des Abends. Sicherlich für ihn selbst ein Highlight in seiner letzten Saison am Opernhaus. Eine Änderung gab es in der Besetzung der Penny. Da Annkathrin Naderer verletzt war, wurde sie im Schauspiel ersetzt, sang und sprach ihre Rolle aber seitlich von der Bühne. Eine tolle Lösung, die ohne Vorankündigung kaum aufgefallen wäre.

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