Zu wohl keinem anderen Musical habe ich in den letzten Tagen so schroffe Kritik von Zuschauern gelesen – und ganz nebenbei (und das finde ich arg verwerflich) auch von Leuten, die das Stück NICHT gesehen haben und ihre Meinung auf zwei Darstellern aufbauen, die ihnen auf dem Fernsehen bekannt sind. Da war von „Niveau einer Schulaufführunug“ die Rede, das Musical wurde im Vorfeld als schlecht dargestellt, weil ehemalige Kandidaten von DSDS dort mitspielen.

All diesen Unkenrufen zum Trotz beschloss ich, mir selbst ein Bild zu machen und mich von der Inszenierung und der Leistung der Darsteller zu überzeugen. Denn nur dann kann ich entweder mitmeckern oder eine Lanze brechen für die Show und die Cast. Und genau das Letzte ist hier der Fall. Denn bei meinem gestrigen Besuch durfte ich erfahren, dass die Kritik, die ich bisher las, absolut ungerechtfertigt ist!

Natürlich, jeder hat seinen eigenen Geschmack, jeder mag andere Dinge, hat andere Ansprüche. Aber die Inszenierung, die ich nun am 03.01. in Duisburg erleben durfte, hatte alles andere als das Niveau einer Schulaufführung. Im Gegenteil. Was ich erlebte, war eine frische, motivierte und vor allem kompetente Cast, die sich absolut nicht verstecken muss. Die Darsteller sind so entspannt und gehen in den Rollen so unglaublich gut auf. Und auch den teils verschrienen ehemaligen DSDS-Kandidaten merkt man weder fehlendes schauspielerisches Talent an, noch sonst irgendwelche Defizite.

 

 

Die Cast

Alexander Jahnke (einer dieser DSDS-ler) passt vom Typ her sehr gut in die Rolle des Danny Zuko. Dass er von der Stimmrange an die bisherigen Danny-Darsteller in den hohen Tönen nicht herankommt (er kommt nun einmal nicht so hoch), wurde dadurch gelöst, dass die Songs in Teilen einfach tiefergesetzt wurden. Das fällt natürlich auf, bei einigen Songs mehr, bei anderen gar nicht. Gestört hat es mich nicht. Denn Alex Jahnke macht dies durch sein gelungenes Spiel wieder wett. Das hätte ich nicht gedacht. Denn der Herr hat nun einmal keine Schauspielerfahrung und wurde auf seine Rolle durch einen Crash-Kurs in Schauspiel vorbereitet. Und das offensichtlich erfolgreich. Jahnke hat in dieser Show größtenteils besser gespielt, als so manch langjähriger Darsteller in einer anderen Show. Er wirkt kaum gekünstelt, das Schauspiel kommt spontan und nicht auswendig gelernt rüber. Von ihm bin ich wirklich positiv überrascht.

Veronika Riedl spielt die Sandy. Und das macht sie unfassbar gut. Sie gibt dem Charakter die nötige Naivität, die Frische und das Junge. Möglicherweise, weil Riedl auch mit Sandy ihre erste Rolle spielt nach dem Abschluss ihrer Musicalausbildung. Die Rolle wirkt wie für sie gemacht und ich finde, es hätte kein besseres Engagement für die erste Rolle von Veronika Riedl geben können. Gesanglich ist sie die absolute Wucht. Jeder Ton sitzt. Sie singt die Songs so glaubhaft. „Hopelessly devoted to you“, eines meiner Lieblingslieder aus dem Stück, nimmt mich sofort mit und lässt mich bis zum letzten Ton nicht mehr los.

Die Damen der Cast sind durch die Bank eine Wucht. Eine großartige Rizzo gibt es von Nuria Mundry zu sehen. Ihr Schauspiel ist extrem gut, ihre Stimme passt mega zur Rolle. Auch wenn die Entwicklung des Charakters Rizzo arg plötzlich vollzogen wird, ist die Rolle perfekt besetzt und wird von Mundry unglaublich gut umgesetzt. Marty, eine der „Pink Ladies“ wird vom zweiten „DSDS-Sternchen“ gespielt: Chanelle Wyrsch. Und sie ist für mich eine der Überraschungen des Abends. Denn auch sie schafft es, den Charakter glaubhaft und vor allem unterhaltsam auf die Bühne zu bringen. Aus diesem Grund kann ich die – größtenteils voreingenommene – Kritik an der Cast absolut nicht nachvollziehen. Man mag von der Castingshow halten, was man will. Aber dass die Cast dadurch an Niveau verliert, stimmt absolut nicht. Frenchi wird gespielt von Isabel Waltsgott. Auch sie gibt dem Charakter das, was ihn ausmacht: Komik und Unterhaltung. Nicht nur einmal lache ich aufgrund des komödiantischen Talents von Isabel Waltsgott an diesem Abend. Absolut großartig ist Mareike Zupp als Patty! Ein Wirbelwind, der einem keine Zeit zum Atmen lässt vor lauter Lachen. Maria Mucha ist Mrs. Lynch – und das macht sie wirklich extrem gut. Der Charakter fügt sich gut in den jüngeren Charakteren ein und ist unglaublich unterhaltsam und lustig gespielt. Jan wird gespielt von Ruth Lauer. Und auch hier bestätigt sich das Gefühl, das man gerade bei den Damen der Cast hat: das komödiantische Talent ist bei ihnen extrem gut ausgeprägt. Auch Ruth Lauer überzeugt durch Stimme und Schauspiel.

Die Herren stehen den Damen aber auch in Nichts nach.

Eines meiner Highlights der Cast ist Alexander Sasanowitsch, der den Kenickie verkörpert. Und ich sage bewusst verkörpert, denn Alexander scheint den Charakter zu leben. Selten habe ich auf einer Musicalbühne einen so unglaublich guten Schauspieler gesehen. Alles scheint real zu sein, nichts wirkt einstudiert. Sprech- und Gesangstimme nehmen einen sofort mit. Es wirkt, als habe er seit Jahren nichts anderes gespielt. Dabei ist Sasanowitsch noch einer der jüngst zur Cast hinzugestoßenen. Und auch hier zeigt sich: perfekt besetzt.

Roger, oder auch „Arschi“, wird extrem gut gespielt von Dimitri Vassiliadis.  Die Lacher sind auf seiner Seite, als seine Stärken zur Sprache kommen: dem „Moonen“. Wer damit nichts anzufangen weiß, der wird in der Show belehrt und das auf eine wirklich unterhaltsame Art. Vassiliadis zeigt, dass er nicht nur gut und lustig spielen kann, sondern auch gesanglich was drauf hat („Mooning“ und „Born to hand jive“ sing er großartig). Rico Salathe als Doody ist der schüchterne Tollpatsch der „T-Birds“ und er ist der Komiker der männlichen Cast. So habe ich zumindest das Gefühl. „Those magic changes“ bringt er wirklich toll rüber. Tommy Luyben spielt Sonny und auch er zeigt in der Inszenierung, das er zu Recht für die Rolle gecastet wurde. Eugene, der heimliche Star aller Grease-Inszenierungen, wird gespielt von Sebastian Prange, und das so unfassbar gut, dass man ihm jede schusselige, naive, tollpatschige Geste sofort abnimmt. Der für mich an diesem Abend beste Sänger ist Marc Chardon, der die Charaktere Vince Fontaine und den Teenangel spielt. Als Teenangel haut er alles raus, was er kann. Von tief bis hoch – es ist alles dabei. Und seine Stimme scheint so perfekt, dass man nur noch mit heruntergeklappter Kinnlade in seinem Sessel sitzt und nie wieder etwas anderes hören möchte 😉

Das Ensemble ergänzt die Cast absolut perfekt: Michelle Härle (die zudem eine grandiose Cha Cha spielt), Josephine Niesen, Marjeta Urch, Alina Wellbrock, Emilja Wellbrock, Paul Morris, Gustavo Seda (zudem auch als Cupid zu sehen), Max Sijben, Benjamin van Eelen und Ka Kui Louis Wong sind absolut großartig im Ensemble.

Bühnenbild und Fazit

An Bühnenbildern spalten sich die Geister. Was den einen „zu billig“ erscheint, empfinden die anderen als absolut top. In diesem Fall muss ich sagen, dass das Bühnenbild meines Erachtens für eine Tourproduktion wirklich toll ist. Manche Szenen (zB im Zimmer von Marty) sind zwar, was das Bühnenbild angeht, stark reduziert, aber das genau macht die Szene aus. Es lenkt den Fokus auf das Wesentliche. Große oder weite Bühnenbilder lassen den Blick auch gerne mal abschweifen. Sinnvoll, wenn viele Tänzer zu sehen sind oder einfach viel Action vorhanden ist. Regisseur Christian Stadlhofer richtet durch das jeweils wirklich passende Bühnenbild den Fokus genau auf das, wo er hingehört. Ergänzt durch tatsächlich großartige Choreographien (verantwortlich hierfür sind Melissa Williams und Carla Kama) ist die Inszenierung in sich absolut stimmig.

Ich habe an der Inszenierung absolut gar nichts vermisst. Ich habe mich unheimlich gut unterhalten gefühlt. Und das ist es doch, worauf es am Ende ankommt. Da ist es doch egal, ob ein jahrelang etablierter Musicalstar in dem Stück mitspielt oder nicht. Oder ob ein ehemaliger DSDS-Kandidat eine Rolle übernimmt. Das ist doch letztlich komplett egal. Denn ich verlasse das Theater an diesem Abend mit einem Lächeln und dem Gefühl, etwas richtig Tolles gesehen zu haben. Eine tolle Inszenierung von einem kompetenten Kreativteam und mit einer wirklich grandiosen Cast. Und das meine ich total ernst. Diese Cast zeigt, dass es ganz viele junge Talente in Deutschland auf der Bühne stehen, die es absolut wert sind, gesehen und gehört zu werden. Ich habe selten – und auch hierzu stehe ich zu 100% – so viele kompetente Schauspieler auf einer Musicalbühne gesehen.

Alles in allem ist die Inszenierung meiner Meinung nach absolut empfehlens- und sehenswert, und ich werde sie mir sicher noch ein weiteres Mal ansehen. Denn die Show macht Spaß! Und den will man doch haben, wenn man sich ein Musical ansieht.

Also, mein Rat: kauft Euch ein Ticket und schaut Euch diese tolle Cast in einer coolen Show mit schönen Songs an!

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