Es ist kein Geheimnis, dass ich das Musical „Grease“ wirklich gerne mag. Ja, ok, die Story ist fragwürdig („verändere Dich und du bekommst den Typen, den Du willst“), aber ich bin ein großer Fan der Musik. Grease geht immer. Nachdem ich mir bereits in den vergangenen Jahren ein paar Mal die Tourversion angesehen habe, konnte ich jetzt eine ganz andere Inszenierung erleben. Die Luisenburg Festspiele zeigen in dieser Saison den Musical-Klassiker auf der großen Freilichtbühne. Und die allein beeindruckt schon durch die immens vielen Ebenen, auf denen das Stück gespielt wird.

 

Grease – Worum geht es?

Grease spielt in den 1950er Jahren und handelt von der Liebesgeschichte der Teenager Danny und Sandy. Beide lernen sich in ihren Sommerferien kennen und verbringen einen romantischen Sommer miteinander, bevor sich ihre Wege scheinbar wieder für immer trennen… Doch man sieht sich immer zweimal im Leben. Und so landet Sandy als neue Schülerin auf der Rydell High School, die auch Danny besucht. Doch irgendwie scheint er sich geändert zu haben. Der romantische Danny aus den Ferien scheint verschwunden…

 

Grease – Die Musik

Die Musik von Grease ist das, wovon das Stück lebt. Die Geschichte ist generell eher flach und im Hinblick auf die Message eher fragwürdig. Wer darüber hinwegsehen kann, kommt in den Genuß wirklich toller Musik, die immer zieht und mit der man immer Spaß haben kann. Ob temporeiche Songs wie natürlich das berühmte „You’re the one that I want“ oder Balladen wie „Hopelessly devorted to you“ bleiben im Kopf und ich bin wirklich immer wieder von den Songs angetan.

Zur Musik daher an dieser Stelle genug!

Grease – Der Cast

Was mich wirklich beeindruckt hat, war der Cast in Wunsiedel. Die Darsteller sind durch die Bank wirklich richtig gut und vor allem frisch und motiviert. Alle harmonieren perfekt miteinander und die ganze Produktion ergibt ein rundes Bild. Lucas Baier (Danny) und Lisa Radl (Sandy) passen toll zusammen und spielen ihren Part wirklich überzeugend. Dass die beiden dazu auch noch toll singen, steht außer Frage. Fides Groot Landeweer überzeugt als boshafte Rizzo und brilliert mit „Look at me I’m Sandra Dee“. Eines der Highlights: Torsten Ankert als Vince Fontaine/Teen Angel. Nicht nur, dass er richtig gut singt, er beweist auch – wie eigentlich alle Darsteller – welch komödiantisches Talent in ihm steckt und wie spontan er mit dem Publikum agieren kann. Grandios. Johnny Casino (den ich in der Tourversion damals vermisste) wird top auf die Bühne gebracht von Jendrik Sigwart. Auch er stellt sein Schauspiel unter Beweis, denn Johnny Casino bedient mehrfach die „Nebenschauplätze“ und agiert dort wirklich auf eine unglaublich unterhaltsame Weise. Es lohnt sich also absolut, den Blick vom eigentlichen Spot auch mal nach links oder rechts schweifen zu lassen und zu schauen, was Jendrik Sigwart gerade macht. Und ganz nebenbei haut er auch einen extrem genialen „Hand Jive“ raus! Ein weiteres Highlight ist auch Nadine Lauterbach als Patty , die unfassbar gut spielt und wohl die meisten Lacher auf Ihrer Seite hat. Nico Schweers spielt den draufgängerischen Kenickie und auch ihm gelingt es, diesen Charakter entsprechend zu transportieren und mit seiner Stimme zu überzeugen. Christopher Dedrichs ist wohl einer der besten Doodys, die ich je gehört habe. Seine unglaublich schöne Stimme lässt mich bei „Those Magic Changes“ wirklich dahinschmelzen. Eh eines meiner Lieblingslieder aus der Show. Jan Rogler als Roger (durch sein Spiel und seinen Gesang der absolut ideale Roger) flasht mich mit dem Song „Mooning“, den er gemeinsam mit Melanie Dull, die die Jan spielt, singt. Schon der erste Ton sitzt top und ich bin sofort hin und weg. Die beiden spielen so süß zusammen und irgendwie geht mir extrem das Herz auf bei diesem Pärchen! Anastasia Troska spielt auf sehr unterhaltsame Art die an der Kosmetikschule scheiternde Frenchi, eine der Pink Ladies. Zu denen gehört auch Marty,  gespielt von Yuri Yoshimura, die mit „Freddy My Love“ auch einen ganz wunderbaren Song in wunderbarer Qualität vom Stapel lässt. Die rassige Chacha wird gespielt von Josephine Kindl, die auch schon Teil des Tour-Casts war. Und Wunsiedel hat gut daran getan, sie auch in diese Inszenierung zu casten. Unterhaltungsfaktor: 10 von 10! Sandra Maria Germann spielt die Lehrerin Mrs. Linch und auch ihr Spiel ist der Wahnsinn. Der trockene Humor, der in dieser Rolle steckt, wird exzellent transportiert. Eugene wird verkörpert von Björn Schäffer, der offensichtlich wie für die Rolle gemacht ist. Leider wurde sein „Ausraster“ bei „We go together“ weginszeniert, was sehr schade ist, denn so bleibt die Rolle an sich etwas unscheinbar, was aber nichts mit der großartigen Leistung von Schäffer zu tun hat. Adrian Burri spielt Sonny und auch er beweist, der richtige Kandidat für diese Rolle zu sein. Spiel und Gesang sitzen!

Als Tanzensemble sind noch dabei: Ewa Pankowska, Katja Frank, Johanna Preiß, Lorena Marie Leitert, Emma Preiß und Anna Schug.

Sehr schön fand ich, dass die Band auch zu sehen war… etwas weiter oben „auf einer Anhöhe“ platziert und komplett im 50er Jahre-Style. Alle sahen auch wie Elvis. Auch das brachte dem Stück weiteren Charme.

 

Fazit

Die Luisenburg hat hier wirklich absolute Qualität gecastet und sich – so will es ja auch das Stück – auf viele junge, frisch ausgebildete Darsteller fokussiert. Dass diese den „alten Hasen“ in nichts nachstehen, haben sie in Wunsiedel zu genüge mit Grease bewiesen.

Und so gehe ich auch bei dieser Inszenierung mit einem Lächeln auf dem Gesicht nach Hause – bzw. in das angrenzende Hotel an der Luisenburg (was zwar kein WLAN hat, dafür aber unheimlich liebe Mitarbeiter. Und das ist ja eigentlich mehr Wert als WLAN im Zimmer ).

Noch bis zum 11.08. zeigt die Luisenburg GREASE.

Fotos: Florian Meidl

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