Es ist fast genau ein Jahr her, da konnte ich Pia Douwes und Uwe Kröger das erste Mal gemeinsam auf der Bühne erleben. Damals gab es vom Sound of Music Concerts das Event “20 Jahre Musicals in Essen“. Und nun, fast genau ein Jahr später, gab es diesen Auftritt in einer “extended Version”. Denn Pia Douwes und Uwe Kröger sind aktuell auf großer “Traumpaar des Musicals”-Tour und zelebrieren ihre gemeinsamen Erfolge, ihre Solo-Hits und natürlich auch die große “Elisabeth”-Ära. Und so schwer es mir fällt, dies hier zu schreiben, aber ich habe in dem Konzert leider Gottes gemerkt: jede Ära hat ein Ende…

Akt 1 – Die Kaiserin lässt grüßen

Der erste Akt ist ganz in das Gewand der österreichischen Kaiserin gehüllt. Die Highlights des Musicals “Elisabeth” werden von Pia und Uwe (der mittlerweile für die Tour erblondet ist) in gewohnter Manier präsentiert. Hieran gibt es auch absolut nichts auszusetzen. Elisabeth ist das Highlight der gemeinsamen Karriere der beiden. Natürlich – beide hatten auch nach Elisabeth weitere große Stationen. Wir erinnern uns nur an “Rebecca“, das im vergangenen Sommer in Tecklenburg wieder mit einer grandiosen Pia Douwes zu sehen war. Aber “Elisabeth” ist das, was die beiden untrennbar miteinander verbindet. Der Meilenstein der Douwes/Kröger-Kombination. Ein Fest, die beiden in diesen Rollen wiederzusehen.

Überraschend lustig und selbstironisch (die beiden reiten durchweg auf ihrem Alter herum) führen Pia und Uwe auch durch das Programm. Kein “störender” Moderator, der Interviewfragen stellt oder die Karriere der beiden Revue passieren lässt. Nein, das machen die beiden komplett selbst, unterstützt durch TV-Einspieler, die auf eine Leinwand geworfen werden. Szenen längst vergangener Zeiten, die jeweils zum aktuellen Part der Show passen. Und ich war wirklich extrem überrascht, wie gut die beiden das Programm präsentieren. Das Moderationstalent der beiden kannte ich bisher noch nicht! Das haben sie aber wirklich drauf!

Akt 2 – Highlight der beiden Karrieren

Der zweite Akt. Präsentiert werden die Highlights der beiden Karrieren und große Songs. Hits aus “Chicago”, “Addams Family” (in der Uwe Kröger zuletzt wirklich grandios spielte und brillierte; Pia Douwes wird in der kommenden niederländischen Inszenierung übrigens die Rolle der Mortitia Addams spielen) oder “Phantom der Oper” stehen auf der Setlist.

Und so gut mir der erste Akt gefiel, so sehr hat mir der zweite im Herzen geschmerzt. “Der letzte Tanz”, eines der Highlights des ersten Akts, markierte – so empfinde ich es – den Wendepunkt im Konzert. Denn ab diesem Zeitpunkt merkte man leider arg: Uwes Stimme ist nun einmal auch um 25 Jahre gealtert. Und das hörte man nun im zweiten Akt doch schon sehr. “Phantom der Oper” stellte dabei leider leider leider den negativen Höhepunkt des Konzerts dar. Die Töne saßen nicht, man merkte, wie sehr er sich anstrengte und wie viel Kraft dieser Teil von ihm abverlangte.

Das Finale: gesungen wird “Time of my life” aus dem Film “Dirty Dancing”.  Mittlerweile ein “Evergreen” auf gemeinsamen Konzerten von Douwes und Kröger. Aber auch hierauf hätte man getrost verzichten können. Beide Stimmen passen leider absolut nicht zu dem Song. Es ist auch nicht Pias Song. Und Uwes offensichtlich auch nicht. Denn der – nicht wirklich schwierige – Text sitzt leider gar nicht. Pia hilft mehrfach aus, in einer Strophe singen beide eine unterschiedliche Textzeile, Uwe hat mehrfach (lachend) Aussetzer. In bestimmtem Maße mag das sympathisch sein, weil es halt natürlich ist. Vor dem Hintergrund eines überwiegend enttäuschenden zweiten Akts ist dieses Finale aber eine gute Zusammenfassung und bezeichnend für eben diesen Akt. Und man darf auch nicht vergessen, dass die Tickets nicht gerade supergünstig sind. Daneben, das muss ich leider zugeben, passt Pias Stimme auch überhaupt nicht zu “Time of my life”. Aber das ist Geschmackssache.

Man möge mich an dieser Stelle bitte nicht falsch verstehen. Pia Douwes und Uwe Kröger sind eine nicht wegzudenkende Institution der Musical-Szene. Das ist klar. Aber der zweite Akt hätte ein wenig durchdachter konzipiert werden und mit anderen Songs, die insbesondere Uwes Stimme gerecht werden, gespickt werden müssen.

Es ist nun einmal so. Alle (großen) Sänger kommen irgendwann an ihre Grenzen. So wie man mit Mitte 50 auch nicht mehr sprinten kann wie ein junger Hüpfer, der mitte 20 ist, so ist es dann auch mit der Stimme. Der “Addams Family”-Part hingegen war wirklich gut. Das passte. Auch war Pia in “Rebecca” wirklich grandios. Aber es gab an der einen oder anderen Stelle – insbesondere im “Phantom”-Part leider viele Defizite. Die absolut normal sind. Aber das muss bei dem Konzept der Show nun einmal auch berücksichtigt werden.

Manch einer, vielleicht auch der Großteil der Fans, mag das natürlich anders sehen. Und fühlte sich gut unterhalten. Das ist auch ganz normal, denn ich biete ja hier nur meine subjektive Meinung an und schreibe, wie ich es empfunden habe. Und ich empfand den zweiten Akt leider als weniger passend und war schon enttäuscht. Pia Douwes war stimmlich überragend, das steht vollkommen außer Frage. Daran habe ich nichts zu meckern. Sie trifft die Töne, singt alles mit einer Sicherheit. Insbesondere “Rebecca” ist wieder einmal ein absolutes Highlight. Aber je größer ein Part auf der Bühne hervorsticht, umso kleiner wirkt der andere. Und während Pia absolut perfekt die Songs runterschmettert, merkt man nun einmal, dass Uwe nicht mehr in der Form seines Lebens ist und dass einige der Songs zu groß für ihn sind.

Manchmal ist weniger halt mehr. Wäre es in diesem Fall auch gewesen. Das ist zumindest meine Meinung.

 

2 Responses

  1. Hans-Georg

    Ich habe Uwe Kröger nie live auf einer Bühne während unserer vielen Musicalbesuche erlebt. Aber wie du schreibst, er ist ja nun schon viele Jahre im Geschäft.
    Pia haben wir im vorigen Jahr auch in Tecklenburg genießen dürfen, es war traumhaft.
    Das Phantom hat natürlich schwierige Passagen und die Stimmen müssen passen. Ich kann mir da beide Protagonisten nicht so recht vorstellen, ebenso wie in Time of my life.
    Ohne das Konzert gesehen bzw. gehört zu haben, kann ich mir deine Erfahrungen damit gut vorstellen.
    Die sogenannten Fans werden das sicher anders sehen. Die sind ja oft ziemlich verbort und lassen auf ihren Star nichts kommen. Und wehe, du wagst in irgenwelchen Foren mal was negtives zu sagen, du wirst in der Luft zerrissen.

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    • Daniel

      Danke für den Kommentar, Hans-Georg!
      Ja, manchmal passen Stimmen und Songs einfach nicht zusammen. Und man muss auch irgendwann realisieren, dass man an alte Erfolge nicht mehr anknüpfen kann.

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