[:de]Seit einigen Tagen steht fest, was auf das Musical Bodyguard im Musical Dome folgen wird: es ist die Rocky Horror Show. Ab dem 03.10.2017 wird das Musical seine Deutschland-Tour im Musical Dome Köln starten und dort bis zum 21.10.2017 gastieren.

Wer aber nicht bis zum 03.10.2017 warten möchte, der kann – und sollte – sich aktuell die Inszenierung von Sebastian Welker in der Oper Wuppertal ansehen.

Vollkommen ohne Erwartungen, da ich das Stück noch gar nicht kannte und auch den Film bislang nie gesehen habe (ich weiß, Schande über mein Haupt), hatte ich nun Gelegenheit, mir eben diese Inszenierung in der Oper Wuppertal anzusehen – und ich bin restlos begeistert. Wovon genau? Von ALLEM. Das Stück ist der Wahnsinn. Die Kulissen sind großartig, die Darsteller einzigartig und auch die Musik ist wirklich toll!

Was mich aber ganz besonders “angefixt” hat und sicher dazu führt, dass ich mir das Stück noch einmal ansehen werde, ist der “Mitmach-Charakter” 😉

© Jens Grossmann

© Jens Grossmann

Erst einmal kurz, für diejenigen unter Euch, die das Stück auch nicht kennen:

Rocky Horror Show – Worum geht es?

Brad und Janet haben sich gerade verlobt. Als sie eines Nachts mit dem Auto in ein furchtbares Gewitter geraten, suchen sie Schutz in dem Gebäude, in das sie versehentlich hineinrasen – das Schloss des extravaganten Dr. Frank’N’Furter und seiner nicht minder eigenartigen Schlossbewohner. Frank’N’Furter ist voller Stolz, glaubt er doch, den perfekten Menschen erschaffen zu haben: Rocky.

Obwohl Brad und Janet nicht so recht wissen, an was für einen Ort sie geraten sind, bleiben Sie – auch aus Schutz vor dem Gewitter – auf Einladung von Frank’N’Furter über Nacht. Dabei wissen beide nicht, dass dies nicht unbedingt die beste Entscheidung gewesen ist, die sie hätten treffen können, denn die Ereignisse überschlagen sich. Eine besinnlich Nacht? Nein, damit können beide nicht rechnen…

 

Interaktiv und bunt

Das Musical The Rocky Horror Show, das durch den Film “The Rocky Horror Picture Show” (1975) Weltruhm erlangte, stammt aus der Feder von Richard O’Brien und hatte am 16. Juni 1973 am Londoner  The Royal Court Theatre Upstairs Premiere.
Wer sich einen entspannten Musical-Abend machen möchte, sollte sich den Besuch zweimal durch den Kopf gehen lassen. Denn das Musical ist interaktiv. Vom Publikum wird einiges abverlangt. So kann (und sollte!!!!) man vor Ort eine “ROCKY-Fan-Tüte” kaufen (sie kostet 4 Euro). Die Tüte beinhaltet für die Vorstellung bzw. Interaktion wichtige Utensilien wie Toilettenpapier, eine Wasserpistole oder Reis. Ich möchte an dieser Stelle wirklich den dringenden Tipp geben: kauft Euch die Tüte. Das Musical macht ohne das Dingen nur halb so viel Spaß.
Denn während der Vorstellung (der Tüte liegt eine “Anleitung” bei, durch die man weiß, was wann und wie zu gebrauchen ist) ist das Publikum dazu angehalten, Dinge aus der Tüte auf die Bühne zu werfen. Das macht wirklich Spaß, denn sonst sieht es ja eher so aus, dass man gesetzt und eher “steif” im Publikum sitzt und erst beim Schlußapplaus so richtig ausrastet.
Das ist hier anders. Das Ausrasten beginnt bereits in der ersten Szene – der Hochzeitsszene, in der das Publikum Reis auf die Bühne werfen soll.

Es versteht sich von selbst, dass es den Rängen (die Oper Wuppertal hat 2 davon) eher schwer fällt, mit ihrem Utensilien die Bühne zu treffen. Eigentlich landet das meiste des Tüteninhalts im Parkett – aber auch das macht Spaß 😀 Es geht schließlich um die Interaktion. Und – offensichtlich – darum, das Thater in einem desaströsen Zustand zu hinterlassen 😀

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Macht bitte nicht den Fehler, die gefüllte Wasserpistole (sie ist in der Tüte leer, Ihr müsst sie vor der Vorstellung auf der Toilette mit Wasser füllen) wieder in die Papiertüte zu packen. Wieso ich das sage? Unsere Pistole hatte sich kurzerhand zur Hälfte entleert und das in der Tüte befindliche Toilettenpapier stark durchnässt. Was zur Folge hatte, dass – als das Papier geworfen werden musste, die Rolle nicht wirklich den Weg zur Bühne schaffte… sondern wie ein Stein irgendwo im Parkett landete. Spaß hatten wir aber trotzdem oder gerade deswegen 😀

Auch mittanzen und mitsingen ist erwünscht, ja sogar geboten 😉 Zum Song “The Time Warp” erhebt sich kurzerhand das gesamte Publikum und tanzt mit den Darstellern zur Choreographie.

Wer das Stück bislang nicht kennt (so wie ich bis gestern), der ist ein wenig verwirrt, wenn das Publikum plötzlich bei jedem Auftauchen des Erzählers (grandios verkörpert von Sebastian Stricker) durchweg “Boring” brüllt. Aber hey, es macht unheimlichen Spaß, auch mal als Publikum komplett aus sich raus zu gehen. Habt keine Scheu – macht alles mit. Es ist wirklich großartig.

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Darsteller und Musik

Die Musik ist bekannt, viel muss man dazu nicht sagen. The Time Warp oder Sweet Transvestite kennt in der Regel auch derjenige, der bisher weder Film noch Musical sah. Die anderen Songs sind in gleicher Manier. Rock-Songs eben, die Spaß machen und Stimmung verbreiten. In der Wuppertaler Inszenierung sind sämtliche Dialoge in deutscher Sprache, während die Songs im Englischen belassen wurden. Und das ist auch gut! Denn oft verlieren Songs, die man im Englischen gut kannte, durch ihre Übersetzung! Hier hat man wirklich alles richtig gemacht.

Die Darsteller – allesamt fantastisch. Ausnahmslos großartige Künstler, die in ihren Rollen gänzlich aufgehen.

Andreas Wolfram als Frank N´Furter ist wirklich grandios. Das Paar Janet und Brad wird wunderbar verwirrt von Johanna Spantzel und Dustin Smailes verkörpert. Rocky, der “Perfekte Mensch” mit dem…naja… “gewissen Etwas” (Ihr werdet verstehen, was ich meine, wenn Ihr ihn seht) wird wirklich toll gespielt von Christian Schöne. Mark Bowman-Hester (Riff-Raff), Eddy Ebeling (Eddie), Anke Fieldler (Magenta), Mariyama Ebel (Columbia) und Sebastian Campione (Dr. Everett Scott) sind ebenfalls grandiose Teil der Cast, die von Statisterie und Bewegungsensemble der Wuppertaler Bühnen unterstützt wird.

Auch das Kreativteam darf nicht unerwähnt bleiben:

Band: United Rock Orchestra
Musikalische Leitung :Heribert Feckler
Inszenierung: Sebastian Welker
Bühnenbild: Stephan Prattes
Kostüme: Susanne Hubrich
Choreografie: Amy Share-Kissiov
Regieassistenz: Björn Reinke
Bühnenbildassistenz: Maira Bieler
Kostümassistenz: Sarah Prinz
Leitung Statisterie: Matthias vom Heede
Inspizienz: Bjarne Kasch
Regiehospitanz: Cara Freitag

 

© Jens Grossmann

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