Es soll Leute geben, die können sich bei bestimmten Songs gar nicht mehr auf den Stühlen halten. Sie wibbeln, wackeln, steppen mit den Füßen zur Musik, werfen das Haupt nach links und rechts und würden am liebsten aufspringen und sich rhythmisch zur Musik bewegen. Es beginnt mit dem rhythmischen Klopfen mit der flachen Hand auf das eigene Knie und endet (im schlimmsten Fall?) in totaler Extase, in der der Körper irgendwie komplett willenlos zu sein scheint. Ein solches Erlebnis hatte ich vor einiger Zeit im Musical „Bodyguard“, das derzeit im Musical Dome Köln läuft.

Wobei ich die Extase noch einigermaßen gut unterdrücken konnte. Denn ich weiß aus gut unterrichteten Quellen, dass solch zügellosen Ausfälle, in denen man sich und seine (verborgenen bzw. nicht vorhandenen) Talente nicht unter Kontrolle hat, in einem Musical-Theater eher fies enden können; so geschehen in der UK-Version des Musicals, die eine Dame leider vorzeitig verlassen musste, weil sie lauthals und vor allem unvergleichbar schief mitsang…

Da meine Tanzkünste vergleichbar mit dem gesanglichen Talent der Dame sein dürften, verzichtete ich also auf eine ausgiebige Darbietung meiner „shakenden“ Hüfte und gewährleistete so, dass ich das Musical auch bis zum Ende sehen konnte.

Und diese Zurückhaltung hat sich gelohnt.

Die Musical-Adaption des erfolgreichen Filmklassikers (mit dem adretten Kevin Costner und der grandiosen Whitney Houston in den Hauptrollen) ist meines Erachtens eine der besten Shows, die derzeit gespielt werden.

Foto-Credit: Hardy Müller

Foto-Credit: Hardy Müller

Zu der Musik muss an dieser Stelle wohl nichts mehr gesagt werden, zu den Darstellern schon. Denn diese meistern die schwierige Aufgabe, sich unweigerlich mit Whitney Houston vergleichen zu lassen, bravourös! Patricia Meeden macht in der Rolle der Rachel Marron eine unfassbar gute Figur und vereint den (damaligen) Glamour der Whitney Houston aus dem Film mit den im Musical an der einen oder anderen Stelle eingebundenen Tanzeinlagen á la Beyoncé fantastisch. Tertia Botha (einigen wird sie bekannt vorkommen, denn sie startete ihre Karriere damals als Mitglied der Popstars-Band “PreLuders”) als Nicki Marron ist ebenso ein Ohrenschmaus.  Auch die alternierende Rachel Marron, Nyassa Alberta, die bereits in der Oberhausener Musical-Inszenierung von “Sister Act” atemberaubend war, ist in dieser Show bestens aufgehoben. Die Ladies sind natürlich auch ein optisches Highlight, genau wie alle anderen Darsteller der Produktion – das Auge hört ja schließlich mit 😀

 

Foto-Credit: Hardy Müller

Foto-Credit: Hardy Müller

Das Bühnenbild ist intelligent gestaltet, überrascht mit teilweise großen und äußerst imposanten Kulissen (Wo genau kommt bitteschön auf einmal dieses Ferienhaus her?). Sehr schön und vor allem modern sind die per Beamer auf Vorhänge und Wände projizierten Einspielungen, Bilder und Szenen, die es erlauben, tiefer in die Story einzudringen. Denn natürlich musste sich die Produktion entscheiden: entweder genauso viel Story wie im Film oder aber mehr Musik und sexy Tanzeinlagen. Beim Musical ist diese Entscheidung schnell getroffen und so wurden einzelne Handlungsstränge im Stück gekürzt, teilweise gestrichen oder aber miteinander verbunden. Dies ist aber so clever und vor allem optisch ansprechend gemacht, dass man als Zuschauer die, teilweise doch sehr starken Abweichungen vom Film schnell verzeiht.

Alles in allem eine wirklich wahnsinnig gute Produktion. Und ich bin ehrlich: ich kann es der Dame aus UK nicht verübeln, dass sie sich nicht zügeln konnte. Mir fiel es auch sehr schwer 😀

 

Tipp für die Buchung der Tickets: Das Bühnenbild ist wirklich der Wahnsinn. Auch wenn man im Musical Dome von allen Plätzen aus gut sehen kann (der Dome ist relativ „klein“ im Vergleich zu anderen Theatern), wirkt das Bühnenbild natürlich am besten vom mittleren Parkett und vom mittleren Rang aus!

Dass aktuell keine CD geplant ist, lässt mein Herz bluten. Ein Trost ist da die Version der UK-Aufführung mit der grandiosen Alexandra Burke (die bald als Deloris van Cartier in der UK-Tour des Musicals „Sister Act“ zu sehen sein wird) in der Rolle der Rachel Marron. Ich spreche eine uneingeschränkte Empfehlung für die Dauerberieselung aus.

Den Original-Filmsoundtrack mit der Queen herself brauche ich wohl nicht extra zu empfehlen ­– er gehört ohnehin in jedes CD-Regal.

Und wer internationales Bodyguard-Flair schnuppern möchte: gerade ist bekannt geworden, dass Beverly Knight, meiner Meinung nach eine der fabelhaftesten Sängerinnen des Erdballs, ab Juli wieder die Rolle der Rachel Marron in London übernehmen wird. In der bald beginnenden US-Version wird R’n’B-Star Deborah Cox die Rolle der Rachel übernehmen.

Für mich bedeutet das: in diesem Jahr geht’s also auf jeden Fall nach London. Und eine Begleitung habe ich auch schon… 🙂

 

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