Als die Reise nach New York mit (bzw. von) meiner Schwester geplant wurde, war eine Sache ganz klar: es galt, einen Punkt meiner Bucketlist abzuhaken. Und zwar wollte ich – Musicalnerd höchsten Grades – schon seit Ewigkeiten ein Musical am Broadway sehen. Der Broadway – die Königsdisziplin des Musical-Guckens (wie auch das Londoner Westend, das natürlich auch auf der Bucketlist steht, und – wenn alles gut geht – Ende des Jahres „abgehakt“ werden kann; toi toi toi).

Und schnell war auch die Wahl getroffen: es MUSSTE „Aladdin“ sein. Das Meisterwerk ist mein absoluter Disney-Lieblingsfilm und für mich neben „Arielle“ und „Die Schöne und das Biest“ wichtiger Teil meiner Kindheit. „Aladdin“ gehört, ebenso wie „Arielle“, „Die Schöne und das Biest“, „Mulan“, „Pocahontas“ oder „Tarzan“ zum „goldenen Jahrzehnt“ von Disney. Eine Ära, die sich mit „Frozen“ vor einigen Jahren zu wiederholen begann. Auch wenn Frozen ein richtig toller Film ist (und auch bald am Broadway als Musical zu sehen sein wird) und mit „Let it go“ eines der schönsten Disney-Lieder hervorbachte, kommen die neuen Produktionen nur schwer an die Meisterwerke der 90er Jahre heran. Mich haben diese Filme geprägt. Ihre grandiose Musik begleitet mich seit ich denken kann.

Aladdin hat einen der tollsten Soundtracks überhaupt. Was daran liegen kann, dass sich niemand anderes als Alan Menken für die Musik verantwortlich zeichnet; der Mann, der Celine Dion einen Oscar für „Beauty and the Beast“ bescherte (und sich selbst auch bereits schon 8 der Trophäen für seine Musik) oder der „Sister Act“ auf die Musical-Bühne brachte. Alan Menken ist ein Genie! Ich könnte seine Musik den ganzen Tag hören. Ja, ich bin ein Nerd. Ein Disney/Alan Menken-Nerd. So what?! Gibt Schlimmeres! 😉

Und so läuft, während ich diesen Post schreibe, natürlich der „Aladdin“-Broadway-Musical-Soundtrack. Eigentlich läuft er seit meiner Rückkehr aus New York rauf und runter. Nicht, weil es hier an Musik mangelt, ich darauf aus bin, meine Nachbarn in den Wahnsinn zu treiben oder ich keine Lust habe, eine Spotify-Playlist zusammenzustellen. Nein, er läuft aus einem einfachen Grund: weil er einfach großartig ist und meiner Meinung nach sogar die originale Version des Zeichentrick-Soundtracks (mit dem fabelhaften Robin Williams als „Genie“) größtenteils übertrifft.  

 

Die Show

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Zugegeben: man hat schon eine gewisse Erwartungshaltung, wenn es in ein Musical geht, das auf einem so großartigen Film basiert. Wenn man dann auch noch kurz vorher von einem (musicalversierten, sehr fachkundigen) Besucher der deutschen Version hört, dass das Musical „ok“ war, dann kann man nur noch hoffen. Hoffen, dass sich die teuren Broadway-Tickets doch lohnen. Ein „ok“ will ich am Broadway nicht haben. Ich will ein „fantastisch“, ein „überwältigend“. Die Hoffnung stirbt ja zuletzt.

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Und all die Hoffnung und das „Darauf-Hinfiebern“ haben sich mehr als gelohnt!

Selten habe ich eine so großartige Show gesehen! Noch immer bin ich geflasht von der Musik, dem Bühnenbild, dem Ensemble und den Darstellern. Nicht unerwähnt bleiben darf auch das Theater: das New Amsterdam Theatre, ein Theater in der 41st Street am Times Square, hat bereits über 100 Jahre auf dem Buckel und versprüht einen wunderbaren Charme.

So saßen wir – meine Schwester und ich – also in diesem 106 Jahre alten Theater auf extremst coolen Plätzen mit direktem Blick auf die Bühne. Gewöhnungsbedürftig in Broadway-Thatern: sie haben Kino-Atmosphäre. Überall raschelt es, es knistern Chips-Tüten und Popcorn-Duft ist zu riechen. Eigentlich schön, manchmal aber auch etwas nervtötend. Insbesondere, wenn man hinter sich eine spanisch-sprechende Familie hat, die einfach 2,5 Stunden lang nonstop Chipstüten vernichtet (eigentlich hat nur das etwas korpulente Kind die ganzen Chips verputzt) und diverse Gespräche führt. Aber das blendet man irgendwann aus. IMG_20160426_115948676_TOP

Alle Geräusche um uns herum waren vergessen, als die ersten Töne der „Aladdin“-Overtüre erklangen und sich bei mir eine Gänsehaut der Extraklasse zeigte. Das Erlebnis, das sich daran anschloss, ist nur schwer zu übertreffen für einen Musical-Fan. Denn das amerikanische (und auch touristische) Publikum am Broadway reagiert auf Musik, Darsteller und Szenen komplett anders als deutsche Musical-Besucher. In den USA rastet man aus. Man gröhlt, man applaudiert bis die Hände taub sind, man reagiert hysterisch auf romantische Szenen (die „Teppich“-Szene / „A whole new world“ war der Hammer) und umjubelt einfach alles, was in der Show geschieht. Und das steckt an. Das deutsche Publikum ist verhaltener. Sehr viel verhaltener. Leider. Je nach Musical kann man von Glück reden, wenn der deutsche Musical-Besucher beim Schlussapplaus aufsteht.

Schnell hat man sich an die fanatische Verhaltensweise am Broadway gewöhnt und sie verinnerlicht. Und so konnte ich mich kaum noch einkriegen, als James Monroe Igleheart, Darsteller des „Genie“ auf der Bühne erschien. Machte auch nix, denn das Publikum hat fast das Theater abgerissen, so frenetisch wurde er begrüßt. Zu Recht. Seine Darstellung des Flaschengeists wurde nicht umsonst mit dem „Tony Award“ – dem Oscar der amerikanischen Theater- und Musicalszene – belohnt. James Monroe Igleheart ist in der Musical-Szene der USA ein Superstar. Genau wie alle anderen Darsteller des Musicals. Und wenn man sich „Aladdin“ angesehen hat, hat man daran auch wirklich keinen Zweifel. Jede noch so kleine Rolle ist grandios besetzt.

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Fun-Fact: der Darsteller des Jafar, dem Bösewicht, ist übrigens tatsächlich der Mann, der der Zeichentrick-Version des Jafar in den 90er Jahren bereits seine Stimme lieh.

Die Darsteller sind wirklich unvergleichlich gut. Die Performances sind grandios. Keine schiefen Töne, keine Patzer, alles ist perfekt und auf den Punkt. Bis ins kleinste Detail.

Das Bühnenbild ist so schön wie kaum ein anderes in einem Musical. Farbenfroh, intelligente Szenenwechsel und tolle Effekte zeichnen es aus. Der grandioseste Effekt zeigt sich in der Liebeszene, in der Aladdin und Jasmin auf dem fliegenden Teppich am Nachhimmel fliegen. Es ist die Szene, die am meisten bejubelt wird. Die Szene, auf die jeder wartet. Der Trick des schwebenden Teppichs ist vergleichbar mit denen der großen Magier – auch wenn ich in einer kurzen Sekunde sah, wie es funktionierte, werde ich es der Redakteurin eines bekannten Musical-Magazins in Deutschland NICHT gleichtun und verraten, wie es funktioniert. Denn das ist scheiße! Derbe Scheiße (schäm Dich, Du Redakteurin! Deutsches Musical-Magazin, I hate you!) Denn sowas nimmt den Zauber. Und man ist in dieser Szene wirklich schlicht verzaubert, denn es stimmt einfach alles: Die wundervolle Musik, die tollen Darsteller und man ist vollends verzaubert.

Und so sitze ich hier, ein bisschen traurig, dass ich nicht direkt noch einmal zum Broadway pilgern kann, um mir „Aladdin“ ein zweites Mal dort anzusehen, aber auch sehr happy, dass ich die Möglichkeit hatte, es zu sehen!

 

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