AIDA war und ist eines meiner absoluten Lieblingsmusicals. Ich als Essener habe es damals, als es ensuite im Colosseum Theater Essen lief (lang, lang ists her), gleich 5x gesehen. Regelmäßig laufen bei mir sowohl die englische als auch die deutsche Cast-Aufnahme rauf und runter. Ja, man kann mich wirklich als AIDA-Fanboy bezeichnen. Da ich das Stück seit der Dernière in Essen nicht mehr gesehen habe, stellte sich die Frage gar nicht, OB ich mir die Inszenierung in Schwäbisch Hall ansehen würde, sondern nur WANN und WIE OFT…

Leider habe ich es nur einmal geschafft – auch wenn ich es wirklich noch ein weiteres Mal gesehen habe. Aber immerhin habe ich es überhaupt geschafft. Denn Schwäbisch Hall ist nicht gerade um die Ecke von Essen. Eine 5stündige Autofahrt liegt dazwischen, aber das nahm ich gerne in Kauf. Und es hat sich auch gelohnt, so viel kann ich vorweg sagen

 

AIDA – worum geht es?

AIDA ist die Geschichte der nubischen Prinzessin Aida, die vom ägyptischen Heerführer Radames und seinen Kriegern auf deren Beutezug gefangen genommen und versklavt wird. Ohne zu wissen, das sich zwischen den neuen Sklaven nun auch die nubische Prinzessin verbirgt, nutzt Radames Aida als Geschenk für seine Verlobte Amneris, ihres Zeichens Tochter des Pharao. Aida wird von nun an Zofe der Amneris und durch ihre vertrauenswürdige Art wird sie schnell zu ihrer Vertrauten. Doch damit nicht genug, denn auch Radames findet Aida irgendwie immer netter… Sogar sehr nett. Zu nett vielleicht. Und kaum steht die Hochzeit von Radames und Aida an, hat sich Radames mirnichts dirnichts in Aida verliebt. Und damit das Ganze noch komplizierter wird, erwidert Aida diese Gefühle. Alles könnte so schön sein. Wäre da nicht die Verlobung. Und wäre Aida nicht eine Sklavin. Beides ist nicht gut für die Liebe der Zwei.

Und dann kommt auch noch das Vorhaben des Zoser, Radames Vater, dazwischen. Denn dieser hat für Radames eine ganze besondere Rolle vorgesehen: durch die Heirat mit Amneris soll Radames nämlich das ägyptische Volk anführen, sobald der Pharao das zeitliche segnet. Und das dürfte bald der Fall sein, denn Zoser hat auch da seine Finger im Spiel…

Und alles wird etwas chaotisch, als Aidas Prinzessinnenstatus entdeckt wird, Amneris herausfindet, dass Aida und Radames sich irgendwie mögen und dann auch noch der nubische König ins Gefangenenlager gebracht wird…

 

AIDA – Die Musik

Wie schon gesagt: ich bin Fanboy und habe die AIDA-Castalben quasi in „heavy rotation“. Und das nicht ohne Grund. Die Musik des Stücks ist unglaublich ergreifend und so wunderschön, dass ich sie nie leid werde. Eine Mischung aus mitreißenden, schnellen Nummern, energiegeladenen Songs, in denen mich das gesamte Ensemble einfach wegflasht oder Balladen, die mir jedes Mal die Augen glasig werden lassen – was will man denn mehr von einem Musical?
Die Musik stammt von dem Genie Elton John, die Texte aus der Feder von Tim Rice. Beides keine Unbekannten und wenn Genie auf Genie trifft, dann kann nur sowas Geniales wie die Musik von AIDA dabei herumkommen.

AIDA – auf ner Treppe in Schwäbisch Hall

Die Freilichtspiele Schwäbisch Hall zeigen AIDA „auf der großen Treppe“. Als Kulisse dient die dortige Kirche mit ihrer beeindruckenden, langen Treppe. Und allein das reicht schon fast aus, um den Zauber des Stücks zu transportieren. AIDA ist ein Stück, das wahrscheinlich auch komplett ohne Kulisse auskäme. Diese Kulisse in Schwäbisch Hall ist aber genauso imposant wie das Stück selbst.

Lediglich ein paar große Steine, die das nubische Lager in dem ägyptischen Sklavenlager darstellen, sowie eine abstrahierte Pyramide dienen als Kulisse. Ansonsten setzt man auf die steinerne Kulisse der Kirche und der Treppe. Und all das wird unglaublich schön und clever genutzt.

Sobald die Dämmerung eintritt und das Setting beleuchtet wird und auch echtes Feuer genutzt wird, ist der Zauber komplett. Keine Sekunde lang hat mir etwas an dem Setting gefehlt. Obwohl nicht mit einem einzigen Requisit auf der Bühne gearbeitet wird, sondern nur mit den vorhandenen Kulissenteilen und der Choreographie.

AIDA – Cast und Musiker

Wenn man ein Stück hat, was so in Bezug auf Kulisse und Requisiten so reduziert gespielt werden kann, dann sind die Darsteller umso wichtiger. Und ich kann an dieser Stelle wirklich nur sagen: top gecastet, liebe Freilichtspiele. Die Hauptfiguren werden so emotional und authentisch von Kimberly Thompson (Aida), Martina Lechner (Amneris) und Rupert Markthaler (Radames) dargestellt, dass man ihnen jede Gefühlsregung sofort abkauft. Lechner zeichnet sich zudem durch ihren Witz aus, der ihre Rolle unglaublich sympatisch macht.

Aber auch die Nebenrollen sind ideal besetzt. Andrea Matthias Pagani als Zoser, Silvio Römer (bekannt aus “Fack Ju Göhte – Se Mjusicäl”) als Mereb, Chiara Fuhrmann als Nehebka (der absolute Wahnsinn!), Claudius Freier als Pharao und Raul Valdez als Amonasro machen ihren Job so unglaublich gut. Alles ist stimmig, die Stimmen harmonieren perfekt und das Spiel der Darsteller ist ein Traum.

Das Ensemble beeindruckt mich an diesem Abend mindestens genauso. Denn Aida lebt gerade in den energiereichen Parts von der Kraft des Ensembles – der „Manteltanz“ oder „Die Sonne Nubiens“ sind auf ein starkes Ensemble angewiesen. Und auch hier hat Schwäbisch Hall ein sehr gutes Händchen bewiesen, denn auch das Ensemble, u.a. mit Sina Pirouzi („Glöckner von Notre Dame“) oder Marius Bingel („Ghost“), haut mich an diesem Abend komplett vom Stuhl. Spiel und Gesang sind on point und ich kann wirklich keinen Kritikpunkt finden. Will ich auch gar nicht 😀 Das Ensemble besteht neben Sina Pirouzi und Marius Bingel noch aus Claudia Artner, Perry Beenen, Ben Cox, Teya Quarmyne, Lucia Haas Munoz, Carl Richardson, Olivia Kate Ward und Nigel Watson.

Auch die Musiker leisten Großartiges. Sie erwecken diese wunderbare Musik so toll und auf den Punkt zum Leben, dass ich ab dem ersten Ton (und die ersten Töne sind bereits so schön) komplett in einer anderen Welt bin. Ein großes Lob also auch an die Damen und Herren an den Musikinstrumenten.

 

Fazit

Meine Sucht wurde bedient 😀 Die Inszenierung in Schwäbisch Hall ist für mich eine der gelungensten Freilicht-Inszenierungen der letzten Jahre. 5 Stunden Fahrt – dafür immer wieder.
Leider wird AIDA nur noch heute und morgen gespielt. Aber wer weiß, vielleicht kommt es ja eines Tages wieder zurück

Fotos: Ufuk Arslan

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